Aguajira Wasser für die Zukunft
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Status

Laufend

Begonnen

April 2016

Mitgliederzahl

37

Land

Kolumbien

Ort

La Guajira

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Status

Laufend

Begonnen

April 2016

Mitgliederzahl

37

Land

Kolumbien

Ort

La Guajira

700 statt 180 Menschen soll die Anlage jetzt versorgen? Und wie, es regnet in der Wüste? Bei näherer Betrachtung vor Ort durften wir die ein oder anderen Überraschungen erleben, doch bevor falsche Gerüchte entstehen, erstmal von vorn:

Nachdem Informationen über die Wayuu bisher über vier Ecken zu uns gelangten, brachten vier Wochen Zusammenleben uns natürlich viele neue Erkenntnisse. Der bereits vorhandene Brunnen den wir als Wasserquelle benutzen werden liegt (wie schon vermutet) mehr im Gebiet der Gemeinschaft „Belén“ (dt. Bethlehem) als der von Betania und wir werden nicht nur beide Gemeinschaften mit Wasser versorgen, sondern von Anfang an mit beiden zusammenarbeiten.

Erfreulicherweise grenzt auch noch eine der größten Schulen der Region an den Brunnen – FUPAD hatte sich etwas dabei gedacht den Brunnen an dieser Stelle zu bohren. „Kanaan", die Schule, hat theoretisch 400 Schüler plus zahlreich Außenstellen. Praktisch kommen jedoch täglich nur ca. 100 Kinder zur Schule, da Transportmöglichkeiten fehlen. Aus „Betania“ wurde somit kurzerhand „Betania, Belén und Kanaan“. Aus ca. 180 Profitierenden wurden nach ersten Hochrechnungen 700. Doch Zahlen muss man hier generell immer mit Vorsicht genießen! Aber dazu später mehr.

Nachdem wir uns hier so eingelebt und mit den Bewohnern beider Gemeinschaften angefreundet hatten erweiterten wir noch unser Blickfeld und besichtigten die Gemeinschaften „Ichien“ und „Walashen“.

Ichien besitzt seit ca. einem Jahr eine Umkehrosmoseanlage. Zahlreiche Menschen kommen jeden Tag hierher um sich Kanister mit dem aufbereiteten Wasser zu füllen. Auf die genannte Anzahl der Personen verlassen wir uns besser nicht, denn auch die Zahlen über die Kapazität der Anlage stellten sich als stark überschätzt heraus. 10.000 Liter Süßwasser pro Tag haben uns die Partnerorganisationen versichert, schließlich steht ja auch ein 10.000 Liter Tank hinter der Anlage. Hm. Auch das Durchfluss-Messgerät an der Anlage log uns diesen Wert vor und konnte uns aber nicht unsere Skepsis nehmen, dass die Anlage viel zu klein dafür ist. Eine wissenschaftliche Studie mit Stoppuhr und Trinkflasche am Ausgang der Anlage verriet uns: 3.000 Liter pro Tag. Das passt nicht nur besser zur Größe der Anlage, sondern auch zur Aussage des Häuptlings, dass es 3 Tage dauere bis der 10.000 Liter Tank voll sei. Alles in allem überzeugte uns Ichien davon, dass unser Projekt ein Schritt in die richtige Richtung ist, wenn wir auch Verbesserungsmöglichkeiten gegenüber der Anlage dort sehen.

Auch der Besuch in Walashen zeigte uns, dass wir bei der Auswahl der Technik die richtige Wahl getroffen hatten. Neben einem Tiefbrunnen der (fast) Süßwasser fördert und einem Agrarprojekt befanden sich dort ein Windrad zur Stromversorgung, das nicht funktioniert und ein Pilotprojekt einer solaren Destillationsanlage, die zu wenig effizient ist. Bei so viel Sonne ist es naheliegend, dass man das Wasser per Verdunstung entsalzen möchte, doch das Experiment in Walashen und unsere Rechnungen in Deutschland kommen zu dem selben Ergebnis: es ist zu ineffizient. Für 10.000 Liter am Tag müsste man auf einer Fläche von ca. 5.000 Quadratmeter Wasser verdunsten lassen. In einem luftdichten Kasten.

Das Landwirtschaftsprojekt in Walashen scheint nach einigen Jahren Übung ganz gut zu funktionieren und wird derzeit um Flächen zur Viehhaltung erweitert. Dadurch, dass unser Projektort näher am Meer liegt als Walashen sehen wir hier vorerst keine Zukunft für ein so großes Landwirtschaftsprojekt, denn viele Menschen sind hier Fischer. Während wir uns fragten warum die Bewohner nicht wenigstens versuchen etwas anzupflanzen – jetzt wo es geregnet hat – jagten diese mit Harpunen bewaffnet nach Rotbarschen, Chuchos und Mojarras oder tauchten nach großen Muscheln. Den Fang können sie in Manaure verkaufen oder natürlich selbst essen.

Zurück zu den Zahlen. Das ist so eine Sache hier. In einem Land in dem das Wetter das ganze Jahr quasi gleich ist sind Temperaturangaben prinzipiell schon komplett unbrauchbar. Die Aussage von Ricardo (studierter Psychologe aus Bogotá) „nachts kann es 5°C kalt werden“ bedeutet so viel wie „ich habe dort schon einmal nachts in der Hängematte im T-Shirt gefroren“ bei wahrscheinlich 25°C. Auch Aussagen mit Zeitangaben wie „es hat seit 5 Jahren kein einziges mal geregnet“ trauen wir nicht mehr ganz. Ganz allgemein gesprochen sind jegliche Zahlen mit einer physikalischen Einheit dahinter außerhalb von Baumärkten unbrauchbar.

Also haben wir am letzten Abend kurz vor der Abreise noch eine Art Volkszählung durchgeführt. Wir ließen uns von Betania, Belén und zwei weiteren Gemeinden alle zugehörigen Häuser zeigen und fragten jedes mal wieviele Menschen darin wohnen. Dabei konnten wir das Geheimnis von Belén lüften! Laut Abraham dem Oberhaupt wohnen nämlich 30 Familien in Belén, aber hinter den paar wenigen Häusern die wir kannten kommt nur noch Meer. Wo wohnen dann die ganzen Menschen aus Belén? Die Antwort ist einfach. Abraham (und nicht nur er) hat „Familien“ mit „Personen“ verwechselt. Den Missstand deckte ein Wayuu Mädchen auf, die zur Schule Kanaan geht und deutlich besser Spanisch kann als die meisten Erwachsenen. Wenigstens sind wir nicht die einzigen, die in Kolumbien auf Sprachprobleme stoßen.

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