Aguajira Wasser für die Zukunft
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Status

Laufend

Begonnen

April 2016

Mitgliederzahl

37

Land

Kolumbien

Ort

La Guajira

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Status

Laufend

Begonnen

April 2016

Mitgliederzahl

37

Land

Kolumbien

Ort

La Guajira

FAQ

Konzept des Projektes

Worum geht es in eurem Projekt?

Mit dem Projekt Aguajira möchten wir dazu beitragen, die durch den in der Projektregion (La Guajira, Kolumbien) herrschenden extremen Wassermangel verursachte Mangelernährung und hohe Kindersterblichkeit zu bekämpfen. Erreichen wollen wir dies durch die Bereitstellung eines Systems zur Wasseraufbereitung und Maßnahmen zur effizienteren Nutzung des Wassers in der Landwirtschaft.

In unserem Projektort Betania steht bereits ein Brunnen zur Wasserförderung bereit. Da dieses Wasser allerdings salzig ist, ist eine Entsalzung notwendig. Hierfür planen wir die Installation einer solarbetriebenen Umkehrosmoseanlage. Um den Ackerbau in der ariden Region effizienter zu gestalten planen wir darüber hinaus den Bau eines speziellen Gewächshauses, mit dem der Wasserbedarf der Pflanzen deutlich gesenkt werden kann.

Als Hochschulgruppe des KITs setzen sich unsere Mitglieder nur aus Studenten zusammen. Wir planen und setzen das Projekt komplett selbstständig und ehrenamtlich um.

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Warum setzt ihr euer Projekt in Kolumbien um und nicht in einem anderen Land?

Das Projekt wurde von zwei kolumbianischen Studenten am KIT ins Leben gerufen, die die Bedürfnisse ihres Landes kannten und sich für ihr Land einsetzen wollten. Die Tatsache, dass sie Kontakte zu Kolumbien haben und die Kultur und Sprache kennen, ist von großem Vorteil für die Umsetzung eines solchen Projektes.

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Wie kommt es, dass ihr ein Projekt in La Guajira durchführt?

Die Media und Alta Guajira im Norden Kolumbiens zählen zu den ärmsten Regionen des südamerikanischen Landes. Sie sind hauptsächlich vom indigenen Volk der Wayuu besiedelt und bekommen nur wenig Aufmerksamkeit vom Staat. Die bedauernswerten Umstände in La Guajira weckten in uns Tatendrang und die Idee das neue EWB-Kolumbien Projekt wenn möglich dort durchzuführen.

Bei der Suche nach Partnern in Kolumbien für ein Projekt haben wir die Stiftung FUCAI gefunden, die seit langem in La Guajira arbeitet und nach Kooperationen mit Ingenieuren sucht. Die geschilderte Situation hat uns im April 2016 dazu veranlasst, das Projekt Aguajira ins Leben zu rufen.

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Wieviel besser wird es den Wayuu nach dem Projekt gehen?

Eine mangelnde Grundversorgung (Wasser, Nahrungsmittel, Strom etc.) eines ganzen Dorfes ist in Deutschland kaum vorstellbar, in Betania jedoch Realität. Durch unser Projekt werden die Bewohner Betanias genügend Wasser für den Eigenbedarf, die Viehzucht und zur Bepflanzung eines Feldes von bis zu einem Hektar besitzen. Auch umliegende Gemeinschaften werden vom Trinkwasser profitieren.

Betania wird auch in kleinem Umfang mit Strom versorgt werden, sodass die Bewohner kleine Elektrogeräte (z.B. Handys) werden laden können. Die Möglichkeit wieder aktiv Landwirtschaft und Viehzucht betreiben zu können bietet den Menschen Beschäftigungsperspektiven die besonders für die Jugendlichen von großer Wichtigkeit sind. Die Lebensumstände der Wayuu in Betania und im Umfeld werden sich somit grundlegend und auf lange Zeit verbessern und den Menschen ermöglichen sich weiterentwickeln zu können.

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Wie viele Menschen profitieren davon?

Es profitiert unser Projektort Betania mit seinen 18 Familien bzw. 76 Bewohnern mit Wasser für den Eigenbedarf und für die Landwirtschaft. Zusätzlich profitieren Bewohner umliegender Gemeinschaften (Schätzung 100 Menschen), indem sie ebenso Wasser für den Eigenbedarf holen können.

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Ist euer Projekt nachhaltig?

Nachhaltigkeit hat bei EWB eine hohe Priorität. Zu unserem Projekt zählt nicht nur die Installation der Anlagen sondern ebenso die Erstellung eines Betriebskonzeptes. Für uns ist sehr wichtig, dass die Anlagen auch noch in mehreren Jahren funktionieren und unser Projekt ein langfristiger Erfolg wird.

Deshalb haben wir uns schon heute sehr viele Gedanken über die Probleme von morgen gemacht. Da wir FUCAI mit Hauptamtlichen in der Region auf unsere Seite haben, können diese das Projekt in Zukunft betreuen und bei Problemen auch an den entsprechenden Stellen nachfragen. Aus ökologischer Sicht spricht der Einsatz von 100% erneuerbaren Energien für die Nachhaltigkeit unseres Projektes.

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Wer verwaltet das Projekt in Zukunft? Wie gewährleistet ihr eine langfristige Betreuung der Anlagen?

Die Anlagen werden in den Besitz der Gemeinschaft übergehen und von ihr selbst verwaltet werden. Dabei werden die Bewohner von der Stiftung FUCAI und einer Partnerfirma vor Ort unterstützt. Letztere soll die Wartung der Anlagen gegen eine monatliche Bezahlung durchführen und sicherstellen, dass das System stets funktioniert.

Die vertragliche Regelung soll noch in der ersten Bauphase geklärt werden. Für die Zahlung der laufenden Kosten erhoffen wir uns Unterstützung von den örtlichen Behörden. Da die Regierung bisher Trinkwasser per LKW nach Betania liefert und diese Kosten durch unser System wegfallen würden, sind wir optimistisch, dass die Übernahme der Wartungskosten von den Behörden möglich ist. FUCAI wird uns dabei auch unterstützen können, schließlich konnten sie auch schon die aktuellen LKW Lieferungen organisieren. Verhandlungen zur Übernahme der Wartungskosten werden bereits durchgeführt. Die Gemeinschaft soll sich jedoch weiterhin selbst verwalten. Andere Projekte in der Region haben schon gezeigt, wie gut sich die Wayuu selbst organisieren und dass der Betrieb eines Agrarprojektes ausgezeichnet funktioniert.

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Problematik

Warum geht es den Menschen in La Guajira so schlecht?

Die Media und Alta Guajira im Norden Kolumbiens zählen zu den ärmsten Regionen des südamerikanischen Landes. Sie sind hauptsächlich vom indigenen Volk der Wayuu besiedelt und bekommen (deshalb) nur wenig Aufmerksamkeit vom Staat. Infrastruktur ist in weiten Teilen kaum existent. Ein Wasser- oder Stromversorgungsnetz gibt es in den ländlichen Gebieten nicht.

Das Klima in La Guajira ist zunehmend arid und durch große Hitze und Trockenheit gekennzeichnet, Grund hierfür ist der Klimawandel. Früher vorhandene Oberflächengewässer sind aufgrund von mangelnden Niederschlägen in den letzten Jahren ausgetrocknet. Das Grundwasser ist in weiten Teilen der Region versalzen. Mit dem daraus resultierenden Wassermangel haben die Menschen enorm zu kämpfen. Insbesondere der Ackerbau, der den Wayuu neben der Viehzucht als Lebensgrundlage dient, ist unter den vorherrschenden Bedingungen nicht mehr möglich.

So führt der Wassermangel ebenso zu einer Unterversorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. Die Unterernährung hat eine hohe Kindersterblichkeit zur Folge. Im Jahr 2016 kam es zu 80 Todesfällen. Zusätzlich führt der Wegfall traditioneller Beschäftigungsfelder wie der Landwirtschaft zu einer Perspektivlosigkeit unter den Jugendlichen. Mangels Arbeitsmöglichkeiten suchen sie in der Folge häufig einen Ausweg in den illegalen Aktivitäten der Region wie dem Schmuggel oder Drogenhandel.

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Warum hilft der Staat/die Regierung nicht in der Region?

Ein möglicher Grund ist die Tatsache, dass La Guajira von Indigenen besiedelt ist. Die Vernachlässigung indigener Völker von der Regierung hat historischen Ursprung. Seit der Eroberung Südamerikas durch die Spanier haben die Indigenen sämtliche Macht über ihre ehemalige Heimat verloren. In der Zeit danach hatten sie meist sogar weniger Rechte als die eingeführten Sklaven aus Afrika. Dadurch, dass die Wayuu Widerstand geleistet haben und nach La Guajira flohen, konnten sie überleben und leben noch heute in dieser abgelegenen Region. Die kolumbianische Regierung versucht heute aber zunehmends den Indigenen mehr Rechte und eigenes Land zu geben.

Auf der anderen Seite verhindert Korruption in der Region die Weiterentwicklung. In den letzten fünf Jahren hat dieses “Departamento” mehr als vier verschiedene Gouverneure gehabt. Im Moment verwaltet ein Delegierter der Zentralregierung aus Bogotá das Departamento in der Hoffnung, dass dadurch politisches Interesse ausgeklammert wird.

Ein weiterer Grund ist, dass die Regierung sich auf dicht besiedelte Regionen konzentriert, in denen Verbesserungen mehr Menschen erreichen. Auch andere ländliche Regionen, die dünn besiedelt sind wie La Guajira haben keinen Zugang zu Trinkwasser.

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Warum ziehen die Wayuus nicht einfach um?

Land ist in Kolumbien kein einfaches Thema. Bedingt durch den bewaffneten Konflikt der vergangenen Jahre wurden häufig Menschen von ihrem Land vertrieben, die daraufhin nicht selten in Armenvierteln der Großstädte landeten. Diese Tatsache hat dazu geführt, dass es heute noch bei etwa jedem zweiten Hektar Unklarheiten über den rechtmäßigen Besitz des Landes gibt. Auch wirtschaftliche Interessen an Kolumbiens guten Böden und Bodenschätzen führen noch heute oft zu Vertreibungen ganzer Dörfer. Kolumbien hat dadurch nach Syrien die meisten Binnenflüchtlinge der Welt (6 Mio. interne Vertriebene, 15,83% der Bevölkerung, https://de.wikipedia.org/wiki/Interne_Vertreibung).

Für die Wayuu ist es deshalb nicht leicht anderes Land zu bekommen und wäre noch schwerer dieses Land dann auch behalten zu können. Land zu haben, in dem man friedlich leben kann ist ein großer Schatz in Kolumbien, egal wie abgelegen und trocken es ist.

Auch historisch bedingt, ist La Guajira das Land der Wayuu. Wären sie zu Zeiten der Eroberung nicht in diesen abgelegenen Landstrich geflohen, würden sie heute eventuell nicht mehr leben. Seither verteidigen sie ihr Land vehement gegenüber der restlichen kolumbianischen Bevölkerung und haben dadurch auch stets ihre Traditionen und Kultur bewahrt. Eine Umsiedlung wäre nicht im Sinne der Wayuu und würde keine Probleme lösen.

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Technische Fragen

Wie funktioniert die Umkehrosmoseanlage?

Die Umkehrosmose ist ein druckgetriebenes Membranverfahren. Grob vereinfacht wird dabei Wasser durch eine Membran gepresst, die nur Wassermoleküle durchlässt und Salze und alle andere Inhaltsstoffe des Wassers zurückhält.

Um ein tieferes Verständnis für das Verfahren erlangen zu können, ist ein kleiner Exkurs in die Thermodynamik nötig. Wie wir es aus dem Alltag von der Temperatur und dem Druck kennen, ist die Natur stets um Ausgleichsvorgänge bemüht. Ein warmes Bier, das wir zur Kühlung in den Kühlschrank legen, lässt sich nach ausreichender Verweilzeit mit erfrischenden 8 °C genießen. Der Fahrradreifen, den wir vor ein paar Wochen noch auf angenehme 3 bar aufgepumpt hatten, ist schon wieder quasi platt. Zwischen dem warmen Bier um der kalten Luft im Kühlschrank hat ein Wärmeaustausch stattgefunden, zwischen dem prallen Reifen und der Umgebung ein Volumenaustausch in Form von Luft, die dem Reifen entwichen ist. So wie Temperaturdifferenzen die Triebkraft für den Wärmeaustausch und Druckdifferenzen die Triebkraft für den Volumenaustausch sind, ist eine Differenz des sog. chemischen Potentials die Triebkraft für den Stoffaustausch, also die Wanderung von bestimmten Stoffteilchen von System A zu System B.

Bezogen auf die Umkehrosmose handelt es sich bei den Teilchen um Wassermoleküle, bei System A um salziges Wasser und bei System B um entsalztes Wasser. Die beiden Systeme sind durch eine dünne Membran getrennt, die nur von Wassermolekülen passiert werden kann. Ohne einen von Außen aufgeprägten Druck würden prinzipiell die Wassermoleküle vom salzfreien Wasser in das salzige Wasser wandern und damit ein Konzentrationsausgleich stattfinden – wir wissen ja, die Natur hat Gleichgewichte sehr gerne. Dieser Prozess ist als Osmose bekannt und läuft in unseren Organismen ständig ab. Stellt man sich den Prozess in einem U-Rohr vor, bei dem die linke Seite das salzige Wasser und die rechte das salzfreie enthält, so ließe sich ein Absinken der rechten und ein Aufsteigen der linken Wassersäule beobachten. Hatten am Anfang beide Wassersäulen noch die gleiche Höhe, ist nun die des salzigen Wassers ein Stück höher als ihr Pendant gegenüber. Auf den ersten Blick widerspricht dies unserem Verständnis vom hydrostatischen Gleichgewicht. Neben dem hydrostatischen Druck spielt hier allerdings noch der sog. osmotische Druck eine Rolle, der durch den Konzentrationsunterschied der beiden Lösungen zustande kommt und als Differenz des chemische Potentials die Triebkraft für die Wanderung der Wassermoleküle ist. Will man diesen Prozess nun umkehren, so muss man auf die Seite mit dem salzigen Wasser einen externen Druck aufprägen, der größer ist als der osmotische Druck. Genau dies geschieht bei der Umkehrosmose.

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Welche Gefahren birgt die Umkehrosmoseanlage?

Die Umkehrosmoseanlage ist nicht gefährlich. Die Anlage arbeitet nur mit hohem Wasserdruck. Es werden keine hohen Temperaturen oder gefährliche Chemikalien benötigt.

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Warum habt ihr eine Umkehrosmoseanlage gewählt? Warum keine Low-Tech-Alternative?

Im Bereich der Meerwasserentsalzung ist die Umkehrosmoseanlage eine der etabliertesten Techniken und wirtschaftlich die beste Lösung für Anlagen unserer Größenordnung. Wirtschaftlich noch bedeutender ist das Verfahren der mehrstufigen Entspannungsverdampfung (MSF), die jedoch besonders im großindustriellen Maßstab eingesetzt und für unseren kleineren Maßstab nicht geeignet ist.

Mit unseren Projekten möchten wir den Menschen auf beste Weise helfen. Dabei erachten wir es als unangebracht, unseren Projekten einen forschungsorientierten Charakter zu verleihen oder neue unsichere Technik auszuprobieren, besonders wenn dabei die Sicherheit oder Gesundheit der Menschen gefährdet werden könnte. Dies ist ein wichtiger Grund für unsere Entscheidung, da die Entsalzung mittels Umkehrosmose eine sehr gut entwickelte Technik zu der allgemein schon viel Erfahrung vorhanden ist und sie zuverlässig und sicher funktioniert.

Bei EWB versuchen wir stets High-Tech-Lösungen zu vermeiden, da unsere Zielgruppen meist wenig technische Ausbildung besitzen und dies somit weniger dem Ziel “Hilfe zur Selbsthilfe” entspricht. Ein Jahr lang haben wir deshalb sämtliche Alternativen recherchiert und ausführlich analysiert. Die meisten betrachteten Alternativen sind gut zur Bereitstellung von Trinkwasser für den Eigenbedarf, jedoch nicht geeignet zur Aufbereitung großer Wassermengen, wie sie für die Landwirtschaft nötig sind. Aus dem Bereich der solaren Entsalzung untersuchten wir die Möglichkeit einer einfachen Solardestille (schwarzes Wasserbecken mit Dach, an dem Wasser kondensiert und herabrinnt) und die etwas optimiertere und komplexere Ausführung desselben Prinzips: die Humidification Dehumidification (HDH). Für die angesetzten 15.000 L Süßwasser am Tag müsste die Solardestille 2400 Quadratmeter groß sein, also ca. 3 Fußballfelder, was schlicht nicht realisierbar ist, aufgrund des zu großen baulichen Aufwandes und des hohen Wartungsbedarfs. Die HDH Anlage ist aufgrund des benötigten salzwasserresistenten Wärmeübertragers zu teuer. Zusätzlich können sich bei beiden Systemen zahlreiche Komplikationen ergeben, da Anlagen der “Marke Eigenbau” wären und eine gute Trinkwasserqualität auch nicht sichergestellt werden könnte (Algenwuchs, Schimmel, …).

Systeme um Wasser aus der Feuchtigkeit der Luft zu gewinnen erfordern meist Nebel, den es in La Guajira nicht gibt. Auch sind die Erträge zu klein um Landwirtschaft zu betreiben. Ein weiteres System das wir betrachtet haben, ist das Seawater Greenhouse Prinzip. Eine vereinfachte Form soll jetzt umgesetzt werden. Genaueres unter: Seawater Greenhouse Prinzip

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Warum wird ein Brunnen verwendet anstatt das Salzwasser direkt aus dem Meer zu entnehmen?

Eine Wasserentnahmestelle aus dem Meer ist schwieriger zu realisieren als ein Brunnen. Zusätzlich weist das Wasser aus dem Brunnen durch die Filterung im Boden bereits eine etwas bessere Wasserqualität und einen etwas niedrigeren Salzgehalt auf, als bei der Entnahme direkt aus dem Meer. In der Nähe von Betania ist außerdem bereits ein Brunnen und Solarpanels für eine Pumpe vorhanden und Einsatzbereit für unser Projekt. Siehe auch: Blogeintrag Wasser Marsch!

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Wie wird der Wasserbedarf der Pflanzen im Gewächshaus reduziert?

Zur Reduktion des Wasserbedarfs soll lokal ein besseres Klima für die Pflanzen geschaffen werden. Dazu werden die Pflanzen überschattet und für eine kühlere und feuchtere Luft gesorgt.

Letzteres erfordert ausschließlich eine Wand aus einem porösen Material und Salzwasser – den Rest erledigen Sonne und Wind für uns. Wie funktioniert das? Die Befeuchtungswand wird quer zur Windrichtung vor dem Feld errichtet und mit Salzwasser aus dem Brunnen und einer Pumpe konstant nass gehalten. Der in La Guajira vorherrschende warme Wind aus dem Osten streicht durch die Befeuchtungswand und reichert sich dabei mit Feuchtigkeit an. Die zur Verdunstung des Wassers benötigte Energie wird der Umgebung entzogen und führt somit zusätzlich zu kühlerer Luft. In Windrichtung hinter der Befeuchtungswand herrscht somit ein anderes Klima für die Pflanzen, in dem diese weniger Wasser durch Evaporation verlieren. Dies verringert den Süßwasserbedarf der Pflanzen erheblich.

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Land und Leute

Welche Bedingungen herrschen vor Ort in Betania?

Vor Ort herrscht tropisches Klima und es ist äußerst wenig Infrastruktur vorhanden. Das Tageslicht ist auf ca. 12 Stunden begrenzt und es ist ganzjährig sehr heiß und trocken. Tagsüber bewegen sich die Temperaturen zwischen 30 und 40°C und auch nachts kühlt es nicht sonderlich ab (20 – 30°C).

Im letzten Jahr gab es nur neun Regentage, an denen sich insgesamt 21,3 mm Niederschlag ergaben. Tagsüber ist es außerdem sehr windig, mit einem vorwiegend von Osten kommenden Wind mit durchschnittlich 5 m/s. Es gibt in der Region keine Wasserresourcen. Kleine vorhandene Oberflächengewässer, sind in den letzten Jahren ausgetrocknet. Auch gibt es keine Sanitäranlagen, keine befestigten Straßen, kein Strom- oder Wassernetz, kein Internet- oder Telefonanschluss und nur sehr schlechten Empfang.

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Welche Sprachen sprechen die Bewohner in Betania?

Alle Einwohner sprechen Wayunaiki, die indigene Sprache der Wayuu. Dennoch gibt es in jeder Gemeinschaft auch einige Bewohner die Spanisch sprechen können, vor allem die jüngere Generation versteht sehr viel Spanisch und man kann gut mit ihnen kommunizieren.

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Wie ist der Kontakt zwischen euch und den Partnern / Begünstigten vor Ort?

Zu unserer Partnerorganisation FUCAI pflegen wir regelmäßigen Kontakt. In E-Mails und Telefonaten tauschen wir uns über den Fortschritt des Projekts aus und klären offene Fragen. Bei Erkundungsreisen oder Heimatbesuchen unserer kolumbianischen Teammitglieder finden auch persönliche Treffen statt.

FUCAI wiederum steht in ständigem Kontakt mit den Gemeinschaften in der Guajira. Die Organisation verfügt über Mitglieder, die selbst Wayuu sind und daher die indigene Sprache beherrschen und die Kultur verstehen. FUCAI bildet somit das Bindeglied zwischen uns, die das Projekt planen, und den Wayuu, die das Projekt empfangen.

Bei einer Erkundungsreise konnten wir die Bewohner Betanias auch bereits persönlich kennenlernen. Sie empfingen uns sehr herzlich und stellten uns in einer Gemeinschaftsversammlung ihre momentane Situation dar. Mit FUCAI haben sie ihre Wünsche an uns, was das Projekt angeht, zu Papier gebracht und einen formellen Antrag auf Unterstützung gestellt. Siehe auch: Blogeintrag Nachrichten aus Kolumbien/

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Wird Landwirtschaft genutzt / angenommen?

Als wir die Gemeinschaft Betania bei unserer Erkundungsreise im September 2016 kennenlernten, präsentierte uns der Häuptling ein umzäuntes, gepflügtes Feld, das die Bewohner für den Fall, dass es irgendwann einmal wieder regnen sollte, bereits vorbereitet hatten. Dieser Tatendrang und die trotz der aktuell so traurigen Lage hoffnungsvolle Einstellung beeindruckten uns. Wir erkannten den unbedingten Willen der Menschen, etwas an ihrer Situation verändern zu wollen, und entschieden uns daher mit ihnen zusammenzuarbeiten und dafür zu sorgen, dass sich die Hoffnung auf Wasser letztendlich wirklich erfüllt. Bevor die ausbleibenden Regenfälle in den letzten Jahren zur Austrocknung der Tümpel führten, die zur Bewässerung der Felder dienten, wurde schon Ackerbau praktiziert. Andere umgesetzte Wasserbereitstellungs- und Landwirtschaftsprojekte in der Region zeigen bereits große Erfolge und haben positive Auswirkungen auf die Gemeinschaften sowie ihre Nachbarn.

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Wie kommen die Bewohner Betanias mit Technik klar?

Die Wayuu sind nicht komplett unvertraut mit moderner Technik. Einige Mitglieder der Gemeinschaft gehen in nahegelegenen Städten arbeiten, manche besitzen Motorräder und Handys. Verschiedene Organisationen, die bereits Projekte mit Wayuu durchgeführt haben, berichten, dass sie sehr schnell lernen können und auch lernen wollen. Es gibt in der Region schon funktionierende Umkehrosmoseanlagen, bei deren Betrieb keine Probleme auftreten. Die grobe Funktionsweise der Anlage wollen wir den Mitgliedern der Gemeinschaft näher bringen und Einzelpersonen im Umgang mit dem System schulen. Bei der Wahl des Anlagenherstellers war uns zudem wichtig, dass ein Wartungs- und Reparaturservice vor Ort gewährleistet ist. Wir haben daher keine Sorgen, dass die Wayuu nicht mit der Technik zurecht kämen.

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Ist es nicht gefährlich in die Region La Guajira/ nach Kolumbien zu Reisen?

Dass die Sicherheitsrisiken in Kolumbien höher sind als in Deutschland ist nicht von der Hand zu weisen. Über viele Jahre machte Kolumbien vor allem durch bewaffnete Konflikte und Drogenkriminalität von sich hören. Mittlerweile hat sich die Situation glücklicherweise deutlich gebessert.

Im Jahr 2016 wurde der Friedensprozess mit der größten Guerilla-Gruppe, der FARC, abgeschlossen und zurzeit laufen Friedensverhandlungen mit weiteren Gruppen. Hinsichtlich der Gewaltverbrechen ist unsere Projektregion La Guajira eine der sichersten Regionen des Landes. Sie gilt heute als beliebtes Urlaubsgebiet und verzeichnete in den letzten Jahren stetige Zuwächse im Tourismus.

EWB ist selbstverständlich darauf bedacht, seine Mitglieder, Projektpartner und Spender einem möglichst geringen Sicherheits- und damit auch wirtschaftlichen Risiko auszusetzen. Daher werden trotz der recht sicheren Lage in der Region eine Reihe an Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Dazu zählen u.a., dass alle Aktivitäten zuvor mit unserer Partnerorganisation FUCAI abgesprochen werden, keine nächtlichen Transporte durchgeführt werden und wir immer in Begleitung von Einheimischen unterwegs sein werden.

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Über unsere Projektgruppe

Wieviele Mitglieder seid ihr und wieviele können Spanisch?

Die Projektgruppe Kolumbien setzt sich aus ungefähr 30 Studenten der unterschiedlichsten Fachrichtungen zusammen. Der Gesamtverein EWB hat ca. 300 Mitglieder.

In unserer Projektgruppe sind alle Niveaus an Spanischkenntnissen vertreten. Von Muttersprachlern – vier unserer Mitglieder sind gebürtige Kolumbianer – bis zum Spanisch-Neuling ist alles dabei. Einige unserer deutschen Mitglieder haben einen Freiwilligendienst oder ein Auslandssemester in einem spanischsprachigen Land absolviert und können sich dementsprechend gut verständigen. Viele besuchen auch aktuell Spanischkurse der Universität oder verbessern ihre Spanischkenntnisse in Sprachtandems.

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Was treibt euch an?

Bei EWB kommen engagierte Studenten zusammen, die die Motivation teilen, ihre Freizeit und ihr im Studium erlangtes Wissen gemeinsam für etwas Sinnvolles einzusetzen. Uns verbindet die Überzeugung, dass jeder dazu beitragen kann, die Welt ein Stück weit zu verbessern. In unserem konkreten Fall bedeutet das, den Wayuu in der Guajira eine Perspektive für die Zukunft zu eröffnen. Seitdem unsere Projektgruppe 2013 von zwei in Karlsruhe studierenden Kolumbianern gegründet wurde, die das dringende Bedürfnis verspürten, sich für ihr Land einzusetzen, arbeitet unser Team an Projekten, um benachteiligten Menschen im von langjährigen bewaffneten Konflikten gebeutelten Kolumbien zu helfen.

Das Tolle an der Projektarbeit ist, dass nicht nur die Menschen, an die unsere Projekte gerichtet sind, etwas davon haben, sondern auch wir selbst. Während sich das Studium meist auf die Theorie beschränkt, verlangen die Projekte reale Lösungen. Diese erarbeiten wir im Team mit netten Leuten aus verschiedensten Fachrichtungen. Besonders spannend ist die Auseinandersetzung mit einer völlig anderen Kultur und die praktische Umsetzung des Vorhabens am Projektort. Auch wenn die Planung eines so umfangreichen Projekts nicht immer einfach und zeitweise sehr nervenzehrend ist, ist es letztlich doch sehr erfüllend, Woche für Woche den Fortschritt festzustellen und dem großen Ziel Stück für Stück näher zu kommen.

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Wie arbeitet ihr? Wie läuft die Planung ab?

Von der Projektidee bis hin zur letztlichen Umsetzung unserer Vorhaben liegt alles in unseren eigenen Händen. Um stetig mit der Planung voranzukommen, teffen wir uns jeden Dienstagabend in einem Raum, den uns die Uni zur Verfügung stellt. In diesen Allgemeintreffen werden organisatorische Dinge besprochen und Diskussionen zu wichtigen Entscheidungen geführt. Kurzvorträge über Themen mit Bezug zu Kolumbien oder zur Entwicklungszusammenarbeit gehören auch zum festen Programm.

Letzter essenzieller Bestandteil der Dienstagstreffen ist die Arbeit in den spezifischen Teilgruppen. Momentan unterteilt sich unsere Projektgruppe in sechs Arbeitsgruppen: Konstruktion, Wasseraufbereitung, Agrar, Gewächshaus, Energie und Fundraising. Innerhalb dieser Arbeitsgruppen (und manchmal auch gruppenübergreifend) finden unter der Woche weitere Treffen statt, um die Projektplanung voranzubringen.

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Habt ihr Hilfe bei der Planung? Woher holt ihr euer Wissen?

Die Themen, mit denen wir uns bei der Projektplanung auseinandersetzen, gehen oft über das, was wir in der Uni vermittelt bekommen, hinaus. Doch wenn wir als Studenten eines lernen, dann ist es sich Wissen anzueignen.

Auf viele Fragestellungen liefert die Literatur Antworten. Darüberhinaus profitieren wir vom Wissensmanagement innerhalb des Gesamtvereins. In über 10 Jahren Projektarbeit hat sich ein wertvoller Erfahrungsschatz angesammelt. Regelmäßig finden Treffen statt, bei denen sich verschiedene Projektgruppen über spezifische Thematiken austauschen. Natürlich stoßen wir trotzdem von Zeit zu Zeit auf besondere Problemstellungen, zu denen sich auf die Schnelle keine Lösung finden will. Glücklicherweise ist für uns als Hochschulgruppe das gebündelte Wissen nicht weit und leicht zugänglich. Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter stehen uns zumeist gerne mit Antworten auf technische Fragen und hilfreichen Ratschlägen zur Seite. Auch zu diversen Unternehmen, die sich mit ähnlichen Fragestellungen auseinandersetzen wie sie uns im Projekt begegnen, stehen wir im Kontakt und erfahren wertvolle Beratung. Siehe auch: Blogeintrag Kooperation mit Transsolar 

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Was gibt euch die Sicherheit dass ihr fähig seid ein solches Projekt durchzuführen?

Engineers Without Borders kann auf eine Menge erfolgreich durchgeführter Projekte zurückblicken. Wir in der Arbeitsgruppe Kolumbien haben im letzten Projekt Aguavisión bereits Erfahrung im Bereich Wasserbau und der Arbeit in Kolumbien gesammelt und erfolgreich ein Projekt zur Sicherung der Brauchwasserversorgung einer Schule durchgeführt.

Unsere Projekte führen wir stets mit kompetenten Partnern in Deutschland und im Zielland durch. Für fachliche Angelegenheiten bauen wir auf unsere professionellen Unterstützer, wie Unternehmen und Professoren mit denen wir zusammenarbeiten (Siehe Unterstützer). In Angelegenheiten der Kommunikation und Zusammenarbeit mit der Bevölkerung vor Ort werden wir tatkräftig von unserer Partnerorganisation und NGO FUCAI in Kolumbien unterstützt. Siehe auch: Projektpartner FUCAI

Was die technische Seite betrifft, greifen wir sofern möglich auf bereits etablierte Techniken zurück deren Funktionsweise bereits erprobt ist. So haben wir die Umkehrosmoseanlage auch einer experimentellen Solardestille oder ähnlichen “Hand-made”-Technologien vorgezogen. Da die Problematiken unserer Projekte oft keine Standardlösungen zulassen müssen stets spezifische Lösungen gesucht werden, und es kann nicht immer auf etablierte Technologien zurückgegriffen werden. Für den etwas experimentelleren Teil unseres Projektes, das Gewächshaus zur Verringerung des Gießwasserbedarfes konnten wir professionelle Unterstützung der Firma Transsolar gewinnen, die uns mit Simulationen, Daten und Berechnungen an der Seite stehen wird. Siehe auch: Blogeintrag Kooperation mit Transsolar 

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Sammelt ihr nur das Geld für das Projekt oder setzt ihr es auch selbst um?

Wie bei allen EWB Projekten, setzen wir das Projekt gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung vor Ort um. Das spiegelt die Arbeitsweise und Leitidee von EWB wieder und reduziert die Projektkosten, da wir ehrenamtlich arbeiten.

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Finanzierung

Wie wird das Projekt finanziert?

Wie alle EWB-Projekte wird auch das Projekt Aguajira zum großen Teil aus Spendengeldern finanziert. Die Spender lassen sich dabei in Stiftungen, Unternehmen und Privatpersonen einteilen. Einen kleinen Teil der Mittel erwirtschaftet die Projektgruppe durch den Erlös bei Aktionen wie Kuchenverkäufen oder Charity-Aktionen (Siehe Charity-Burger im Oxford Pub). Die Kosten für Unterbringung und Verpflegung bei der Projektumsetzung sowie zwei Drittel der Flugkosten werden von den Projektmitgliedern selbst getragen. Siehe auch: Über uns – Transparenz

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Wie setzen sich die Projektkosten zusammen?

Da alle Mitglieder von EWB ehrenamtlich arbeiten, setzen sich die Projektkosten hauptsächlich aus den Kosten für die Materialien und Anlagen, die für die Installation des Wasserförderungs- und Wasseraufbereitungssystems sowie für den Aufbau des Agrarprojektes benötigt werden, zusammen.

Die kostenintensivsten Komponenten sind hierbei die Umkehrosmoseanlage zur Wasserentsalzung, die für die Stromversorgung benötigten Solarmodule sowie die Materialien für die Tragkonstruktion des Gewächshauses. Da die Umkehrosmoseanlage und einige andere Materialien von Deutschland nach Kolumbien transportiert werden müssen, fallen zudem Kosten für die Logistik an. Werden am Projektort über unsere Projektmitglieder hinaus Arbeitskräfte benötigt, werden wir diese zu landesüblichen Tarifen entlohnen.

Die Transportkosten unserer Mitglieder von Deutschland zum Projektort werden zu zwei Dritteln privat und zu einem drittel vom Verein getragen. Für sämtliche Unterbringungs- und Verpflegungskosten im Projektland kommen unsere Mitglieder selbst auf.

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Wie kann man das Projekt unterstützen? Kann man das Projekt anders als finanziell unterstützen?

Zur Finanzierung unseres Projektes sind wir auf Geldspenden angewiesen. Darüber hinaus gibt es viele andere Möglichkeiten uns zu unterstützen. Eine große Hilfe ist schon durch das Verbreiten und Weiterempfehlen des Projektes oder durch ein Testimonial auf unserer Homepage geleistet. Sollten Sie über entsprechende Möglichkeiten verfügen, sind wir auch über Sachspenden dankbar. Der Transport zum Projektort erhöht jedoch unseren logistischen Aufwand. Wir freuen uns auch immer über Gelegenheiten und Anlässen, bei denen wir unser Projekt persönlich vorstellen können.

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Was habe ich als Spender davon?

Mit ihrer Spende helfen Sie mit, einer Vielzahl benachteiligter Menschen eine Perspektive für die Zukunft zu eröffnen. Konkret tragen sie dazu bei, die Nahrungsversorgung einer Gemeinschaft in einer Region, in der im Jahr 2016 über 80 Kinder an den Folgen von Mangel- oder Unterernährung gestorben sind, zu verbessern und die Trinkwasserversorgung von über 170 Menschen zu sichern, ohne dass sich Ihr Leben merklich verändert.

Nur durch Spender wie Sie ist unsere Projektarbeit möglich. Da für die erfolgreiche Umsetzung eines Entwicklungsprojektes, das wir von der Projektidee bis zur letztlichen Umsetzung selbst verantworten, ein breites Wissen und viele Kompetenzen vonnöten sind, die wir uns zum Teil während der Projektarbeit noch aneignen müssen, tragen Sie darüber hinaus zur fachlichen und überfachlichen Weiterbildung von Studenten in Deutschland bei.

Da wir alle ehrenamtlich arbeiten und die Projektarbeit neben unserem regulärem Studium durchführen, kann bis zur letztlichen Umsetzung des Projektes ein wenig Zeit vergehen. Während dieser Zeit werden Sie über unseren Blog ganz persönlich und mit vielen Bildern stets von uns auf dem Laufenden gehalten. Wir können versichern, dass 100% Ihrer Spende direkt in das Projekt fließen. Selbstverständlich können Sie Ihre Spende auch steuerlich absetzen.

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