Beaumont Studenten bauen Kindern in Haiti eine Zukunft
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Status

Laufend

Begonnen

Dezember 2014

Mitgliederzahl

46

Land

Haiti

Ort

Beaumont

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Status

Laufend

Begonnen

Dezember 2014

Mitgliederzahl

46

Land

Haiti

Ort

Beaumont

Egal wie viel betoniert ist, egal wie viele Wände stehen, ein Haus wird erst dann daraus, wenn es auch ein Dach hat. Auch die Zunft weiß dies zu schätzen und feiert das Richtfest, wenn sich die Wände, Stützen und Balken schlussendlich zu einem Haus zusammenfügen.
Und wie wichtig ein Dach zum trockenen Sitzen, Arbeiten und Leben ist, hat nicht nur Goethe in seinem Gedicht mit „…wie auch das Dach zu sichern vor des Regens Drang…“ erkannt. Auch uns wird dies momentan jeden Tag mit dem pünktlich zum Mittag einsetzenden Regen immer deutlicher vor Augen geführt.
Und so wollen wir dieses Mal unseren Bericht aus Haiti dem Fortschreiten der Arbeiten am Dach des Mädchenwohnhauses 1 und dem Entstehen eines „richtigen“ Hauses widmen.

Wer unseren Blog fleißig verfolgt hat, weiß, dass unser Mädchenwohnhaus in den letzten Monaten rege vom Fundament an in die Höhe gewachsen ist. Doch damit ein Haus wirklich zum Haus wird, braucht es natürlich auch ein Dach. Und obwohl jeder von uns bereits unzählige Dächer gebaut hat, verläuft der Bau eines Daches im tropischen Urwald von Haiti dennoch etwas anders als im heimischen Wohnzimmer mit den Legobausteinen.
Hier gibt es keine Schublade mit der Aufschrift „Dachteile“. Auch ist das Haus nicht einfach so absolut einsturzsicher, selbst wenn es ausgiebig mit Autos, Dinos und Füßen bearbeitet wird.
In der Realität muss so ein Dach einiges mehr aushalten können und so ist es mit ein paar stabil aneinander geschraubten Balken auch nicht getan.

Wie viel Holz in welchen Abmessungen mit welchen Schrauben befestigt werden muss, wurde ausführlich in Deutschland geplant und berechnet. Diesen Berechnungen liegen eine Menge Eingangsdaten aus Haiti zu Grunde. Beachtet werden müssen hierbei der Windsog und der Winddruck, was vor allem bei einem Hurrikan maßgebend wird. Dazu kommen die Belastungen durch Erdbeben und Eigengewicht.
Anhand dieser Einwirkungen muss nun geschaut werden, welche Belastung an welcher Stelle maßgebend ist und daraufhin kann nun das Dach dimensioniert werden.
Die tragende Struktur des Daches bilden 10 massive sogenannte Binder. Was in Deutschland durch einen kurzen Anruf und einen halben Tag mit dem Autokran gelöst werden kann, wird in Haiti schnell zu einem großen Problem. Um dem aus dem Wege zu gehen, hat unser Konstruktionsteam (liebe Grüße aus Haiti an dieser Stelle) in Deutschland eine Lösung gefunden: 20 Binderhälften

Anstatt Binder im Ganzen bauen, transportieren und heben zu müssen, müssen jetzt nur halbe Binder transportiert, manövriert und gehoben werden. Das erleichtert unsere Arbeit erheblich, da in jedem gesamten Dachbinder 294 Schrauben und ca. 360kg Holz stecken.

 

Doch zunächst müssen Balken gesägt und zu einer Hälfte vereint werden. Und wie es so schön heißt -aller Anfang ist schwer- so verhält es sich auch hier. Die erste Binderhälfte kostete uns mehr als nur einen Vormittag, jede Menge Schweiß und Nerven. Doch Übung macht den Meister und so waren alle 20 Binderhälften in den darauf folgenden vier Baustellentagen fertig gestellt.  Nun hieß es: „Rauf aufs Dach!“ und zu sechst ließen sich die Binderhälften mit geballter Kraft gut auf den 2,40m hohen Ringanker hieven.

Dort wurden sie exakt ausgerichtet und schließlich zu gesamten Bindern mit Hilfe von vier Laschen und 124 weiteren Schrauben verschraubt. Die Verankerung eines Binders auf dem Ringanker erfolgte mit 8 Winkeln, die mit Schwerlastankern im Beton befestigt wurden. Als Aussteifung dienen sogenannte Windverbände zwischen den jeweils äußeren Bindern. Dies sind Querverstrebungen, mit denen zwei Binder verbunden werden und gegen das Umfallen unter Last gesichert werden. Nach 3 Tagen Binder heben und befestigen, konnten wir nun endlich die Lattung, bestehend aus 66 einzelnen Latten, auf die Binder aufschrauben. Nachdem die Lattung komplett an den Bindern befestigt wurde, kamen wir einer typisch deutschen Tradition nach, wir feierten das Richtfest! Mit Kranz und Baum schmückten wir das Haus und genossen einfach nur den Moment. Doch allzu lange konnten wir uns keine Pause leisten, denn damit wir endlich ein trockenes Plätzchen auf unserer Baustelle haben, sollte sobald wie möglich das Dach mit Trapezblech eingedeckt werden.

Die meisten Probleme beim Dachbau bereitete uns tatsächlich das Wetter. Der November ist der regenreichste Monat auf Haiti und somit hatten wir seit Beginn unseres Aufenthaltes Ende Oktober maximal 3-4 regenfreie Tage. Der fast schon traditionelle Mittagsregen gegen 14:00 lässt sich immer gut in die Mittagspause einbauen und der abendliche Regen bereitet nur auf dem Heimweg mehr oder weniger nasse Kleidung. Allerdings hatten wir auch einige Tage, an denen der Regen schon morgens einsetzte, und auch nachmittags gar nicht mehr aufhörte, was ein Arbeiten auf dem Dach unmöglich macht. Die Zeit überbrückten wir uns durch kleine Arbeiten, wie das Bauen eines Batterieregals, das Anfertigen von Bauklötzen für die Kinder im Waisenhaus aus übrig gebliebenem Holz und Arbeiten am PC, um die bereits vermessenen Geländepunkte in unseren Plänen festzuhalten.

Doch trotz einiger Pausen durch den Regen haben wir das Trapezblech letztendlich in 3 Tagen an der Lattung befestigt und können nun stolz sagen: Das Dach steht! Mit insgesamt mehr als 3500 verarbeiteten Schrauben, über 325 Balken Holz und ca. 130 m² Trapezblech hält unser Dach nun jedem Wetter stand.

 

Es grüßen aus Beaumont, Chris, Dominik, Hannah, Laura, Leon, Matze, Nico, Stanley und Philipp

2 Kommentare


  1. Super Eure Bauanleitung mit all den Details. Vielleicht bau ich mir sowas in meinem Garten ;-))
    Eure Berichte sind einfach klasse und Eure Arbeit sowieso!!
    Liebe Grüße
    Manfred Sickmann, Lahr

    Antworten

  2. Einfach unschlagbar, was ihr da leistet.
    Wünsche euch viel Energie zum Weitermachen.
    Liebe Grüße
    Elke Obhof

    Antworten

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