Hydroélectricité Idjwi Chancen durch Wasserkraft
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Status

Laufend

Begonnen

November 2015

Mitgliederzahl

22

Land

DR Kongo

Ort

Bugarula (Insel Idjwi)

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Status

Laufend

Begonnen

November 2015

Mitgliederzahl

22

Land

DR Kongo

Ort

Bugarula (Insel Idjwi)

Sicherheitslage

Sicherheitslage

Die Demokratische Republik Kongo hat in den letzten Jahrzenten mehrere bewaffnete Konflikte erlebt, die das Land destabilisiert und in seiner Entwicklung gehemmt haben. Wegen seiner ausgedehnten Fläche (DRC ist halb so groß wie Europa), seiner weitgehenden Unzugänglichkeit und der Vielzahl der lokalen sowie internationalen Akteure lässt sich keine allgemeine Einschätzung zur Sicherheitslage machen. Es ist notwendig zwischen Gebieten zu unterscheiden und diese differenziert zu bewerten, um eine wahrheitsgemäße Einschätzung liefern zu können.

Da unsere Arbeit im Süd-Kivu im Raum zwischen Goma und Bukavu stattfindet, ist es naheliegend, dass wir unseren Fokus auf den Ost-Kongo legen. Dennoch ist auch hier keine allgemeingültige Aussage machbar. Das Gebiet Kivu erstreckt sich über einen Bereich von 124.000 km², was immerhin so groß wie England ist und weist eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure auf, deren Ziele sich teilweise stark unterscheiden.

„Armed Groups in North and South Kivu“
von Congo Research Group unter CC-BY-NC-NA

CRG - Armed Groups in North and South Kivu
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Zunächst vorab ein kurzer Blick auf unseren östlich von Kalehe gelegenen Projektstandort Bugarula auf der Insel Idjwi. Die Insel ist, wie uns vor Ort erzählt wurde, nie in den Fokus von bewaffneten Gruppierungen im Ost-Kongo gekommen und wurde dadurch erfreulicherweise von Konflikten nicht in Mitleidenschaft gezogen. Des Weiteren soll die Kriminalitätsrate im Vergleich zum Festland deutlich geringer sein. Wir selbst konnten bei unseren Aufenthalten einen starken Zusammenhalt in der Bevölkerung beobachten und fühlten uns zu allen Tageszeiten sicher. Wir schätzen die stabile Situation auf Idjwi als besonders geeignet für Infrastrukturprojekte in dieser Region ein.

Durch die langjährige Präsenz der UN, sowie zahlreicher NGO’s wurde der Ost-Kongo detailliert beobachtet und Ereignisse dokumentiert. Zusätzlich zu der Auswertung zahlreicher Berichte, beruht unsere Analyse auf unseren eigenen Erfahrungen im Kongo, sowie dem ständigen Kontakt zu Kontaktpersonen aus dem Kivugebiet. Jedoch sind wir uns im Klaren wie komplex die Lage ist und sind stetig bemüht unsere Einschätzungen zu aktualisieren und zu berichtigen. Weiterhin soll die Folgende Beschreibung nur einen groben Überblick liefern und den Anspruch an Vollständigkeit nicht erfüllen. Auf weiterführende und detaillierte Berichte verweisen wir an den jeweiligen Stellen.

Um die aktuelle Lage im Ost-Kongo verstehen zu können, ist es wichtig sich erst mit der Vergangenheit auseinander zu setzen. Für eine ausführliche Beschreibung der Geschichte Kongos verweisen wir auf David Van Reybrouck‘s Buch „Kongo: Eine Geschichte“ [1]

Erster und zweiter Kongokrieg

1994 fand der Genozid an der Tutsi-Bevölkerung im benachbarten Ruanda durch Hutu Milizen statt und markierte den Grundstein für den ersten Kongokrieg. In Folge dessen wurden die zahlreich beteiligten Hutu Milizen von einer ugandischen Tutsi Armee aus Ruanda über die Grenze in den Osten des heutiges Ost-Kongo (damals Zaire) getrieben. Dort ging der Kampf der Hutu Milizen gegen die lokale Tutsi-Bevölkerung weiter. Es bildete sich die Tutsi-Miliz AFDL unter Laurent-Désiré Kabila, welche von der ugandischen sowie der ruandischen Regierung unterstützt wurde. In Folge der Kampfhandlungen gelang es der AFDL 1997 mit internationaler Hilfe Mobotu zu stürzen. Kabila würde neuer Präsident und benannte Zaire in die Demokratische Republik Kongo um.

Schon 1998 gingen die Kampfhandlungen im Kongo weiter und führten zum zweiten Kongokrieg. Mehrere verschiedene Rebellengruppen versuchten nun aus unterschiedlichsten Gründen die Regierung Kabilas in der Hauptstadt Kinshasa zu stürzen. Unterstützt wurden die Gruppierungen durch zahlreiche afrikanische Staaten, welche ihre eigenen Ziele verfolgten. Deshalb wird der zweite Kongokrieg auch als erster Afrikanischer Krieg bezeichnet. Die Folge waren zahlreiche zivile Opfer. Für eine Einweisung in dieses komplexe Themengebiet verweisen wir auf Wikipedia.[2] 2002 wurde eine wirksame Friedensvereinbarung unterzeichnet.

UN Monusco

Zur Stabilisierung des Kongo wurde 1999 die UN-Mission MONUC, heute bekannt unter dem Namen MONUSCO, eingesetzt. Mit einer Stärke von ca. 22.000 (inklusive zivilem Personal) Personen handelt es sich dabei um die größte friedenssichernde Mission der Vereinten Nationen. Neben dem militärischen Engagement, das 2013 unter dem damaligen Missions-Leiter Martin Kobler durch das Einsetzen einer sogenannten Interventionsbrigade für ein entschiedeneres Vorgehen gegen Rebellengruppen verstärkt wurde, engagiert sich die Mission auch in der Friedensbildung durch zivile Maßnahmen.[3]

Aktuelle Lage

Nach Ende des zweiten Kongokrieges haben sich etliche der Rebellengruppen in zahlreiche kleinere Gruppen zersplittert. Die Rebellengruppen sind oft nicht mehr als 200 Kämpfer stark [4]. Ein Großteil dieser Gruppen hat sich von internationalen Zielen distanziert und agiert nun lokal. Die vor allem in ländlichen Gebiete fehlende Präsenz der Regierung führt zu einem Machtvakuum, dass oft durch Rebellen gefüllt wird. Sie sind häufig in lokale wirtschaftliche und politische Gegebenheiten involviert und stärker an der Festigung ihrer eigenen Position sowie an der Ausbeutung von Ressourcen[5] als an politischen Umbruch interessiert. Konflikte in der Region sind 2015 von „War“ zu „Limited War“ deeskaliert und größtenteils als „Violent Crisis“ einzustufen. [6]

Im Gebiet des Ost-Kongo agieren über 70 bewaffnete Gruppen. Die CRG – Karte(erste Karte) zeigt die Verteilung dieser Gruppierungen, wobei die farblichen Gebiete nicht Machtgebiete, sondern Einflussgebiete darstellen. Dies wird verständlicher, wenn man sich bewusstmacht, dass die Rebellengruppe keine in sich isolierte Gemeinschaft darstellen, sondern in die lokalen sozialen Strukturen eingegliedert sind. [7]

„Armed Groups in the Eastern Congo“ von Rift Valley Institute unter CC – BY – NC - NDDie CRG Karte verdeutlicht, dass die bewaffneten Gruppen verstreut im Kivugebiet auftreten. Dennoch sind drei Konflikt Hotspots zu nennen. Dazu gehört das Grenzgebiet zwischen den Regionen Walikale und Masisi, die Rusizi Ebene im Süden (Uvira Region), sowie die Ausläufer des Ruwenzori Gebirges östlich von Beni (Nordkivu).

Interessant für unsere Projektarbeit ist vor allem die Gegend um Bukavu. Die Vorherrschende bewaffnete Gruppierung im Westen von Bukavu sind die Raia Mutomboki. Sie sind ein loser Zusammenschluss lokaler Kämpfer, welche im Jahr 2011 stark angewachsen ist. Ursprünglich als Selbstverteidigungsstreitkräfte gegründet, um sich gegen die anhaltenden Angriffe der FDLR Rebellen zu wehren, wurden die Gruppierungen immer mehr in lokale Konflikte verwickelt. Sie entwickelten sich selber zu machtmissbrauchenden Rebellen, die auch für Massaker an Hutu Zivilisten verantwortlich ist. [8]

Nichts desto trotz lässt sich sagen, dass die Sicherheitslage um Bukavu stabil ist und für ein nachhaltig wirksames Energieprojekt in Frage kommt. Besonders die Insel Idjwi ist durch ihre exponierte Lage in den letzten Jahren von Konflikten verschont geblieben. [9]

 

 

„Armed Groups in the Eastern Congo“
von Rift Valley Insitute unter CC-BY-NC-ND

Quellen:
[1] David Van Reybrouck, Kongo: Eine Geschichte , ISBN 978-3-518-42307-3
[2] Wikipedia.org, „Zweiter Kongokrieg“.
[3] MONUSCO – United Nations Organization Stabilization Mission in the Democratic Republic of the Congo.
[4] Congo Research Group, „The Landscape of Armed Groups in the Eastern Congo“.
[5] Global Witness, „Democratic Republic of Congo (DRC) Conflict“.
[6] Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung, „Conflict Barometer“.
[7] Rift Valley Institute, „The national army and armed groups in the eastern Congo“.
[8] Rift Valley Institute, „Raia Mutomboki – The Flawed Peace Process in the DRC and the Birth of an Armed Franchise“.
[9] ACLED, „Dynamic Maps and Graphs | ACLED“.