Eluthumadduval Bäckerei Brot für eine Perspektive
image/svg+xml
image/svg+xml

Status

Abgeschlossen

Begonnen

Juni 2014

Beendet

November 2015

Mitgliederzahl

35

Land

Sri Lanka

Ort

Eluthumadduval

image/svg+xml
image/svg+xml

Status

Abgeschlossen

Begonnen

Juni 2014

Beendet

November 2015

Mitgliederzahl

35

Land

Sri Lanka

Ort

Eluthumadduval

Projekthintergrund

Hintergrund Bürgerkrieg

Von 1983 bis ins Jahr 2009 tobte im Norden Sri Lankas ein unerbittlicher Bürgerkrieg. Teile der im Norden angesiedelten Tamilen hatten jahrelang unter der Führung der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) versucht, einen von der Zentralregierung im Süden unabhängigen Staat zu gründen. Nach über 25 Jahren endete der Bürgerkrieg im Mai 2009 mit dem vollständigen militärischen Sieg der sri-lankischen Regierungstruppen über die Rebellen.

Sri Lanka Karte_Papadam

Das Projekt befindet sich in Eluthumadduval, einem kleinen Ort in der Nähe der Provinzhauptstadt Jaffna. Zu Zeiten des Bürgerkriegs verlief in diesem Gebiet der Frontverlauf. Heftige Kämpfe in der Endphase des Bürgerkriegs führten zur fast vollständigen Zerstörung des Ortes. Heute, sechs Jahre später, sind die Folgen vielerorts immer noch sichtbar und die landesweite, politische Spannung zwischen Tamilen und Singhalesen weithin spürbar. Der nationale Versöhnungsprozess wird durch übermäßige militärische Präsenz gebremst oder gar umgekehrt. Vielerorts treten die singhalesischen Soldaten im Stil einer Kolonialmacht auf und werden von der lokalen Tamil-Bevölkerung als Besatzer empfunden. Um die Vorgänge im Norden der Insel vor der Weltöffentlichkeit zu verbergen wird die Arbeit von ausländischen NGO’s von staatlicher Seite konsequent gestört. Seit dem Höhepunkt der medialen Aufmerksamkeit im Zuge der Tsunamikatastrophe 2004 haben heute die meisten NGOs den Norden verlassen. Die katholische Kirche stellt hier die einzige Ausnahme dar und ermöglicht unser Engagement in der Region.

Durch die Wahl des neuen Präsidenten im Januar 2015 hat sich jedoch einiges zum positiven geändert und der Versöhnungsprozess zwischen Norden und Süden wird langsam, aber kontinuierlich vorangetrieben. Zudem können NGOs wieder vermehrt ihre Arbeit aufnehmen, sich frei bewegen und den Menschen vor Ort helfen.

 

Vorherige Situation

Die Folgen des Krieges haben bei den Familien im Norden Sri Lankas tiefe Spuren hinterlassen. Da viele Männer im Krieg als Kämpfer getötet wurden oder wegen des Verdachts auf mögliche Verbindung zu der kämpfenden Organisation LTTE nach Verhaftung und Folterung umkamen oder spurlos verschwanden, sind viele Frauen verwitwet und alleinerziehend. Bestätigt ist eine Zahl von 86.000 Witwen im Norden und Nordosten Sri Lankas.

In einer kriegsgeschädigten Gegend, in der Arbeit und Geld knapp sind, leben sie in durch Krieg stark beschädigten Häusern oder notdürftig errichteten Hütten. Sie stehen in der Verantwortung, ihre Familien zu versorgen, was dem traditionellen Gesellschaftsbild einer Frau im Norden Sri Lankas widerspricht. Dieses Thema hat jüngst Aljazerra aufgegriffen und ein bewegendes Video über die Witwen im Norden von Sri Lankas veröffentlicht.

Als Perspektive und Einkommensquelle für die kriegs- und gewaltbetroffenen Frauen gründeten sie eine kleine Bäckerei. Dort wurde unter einfachsten Mitteln das landestypische Beilagengebäck „Papadam“ hergestellt. Der Verkauf des Gebäcks ermöglichte den Kriegswitwen ein kleines Einkommen und bildete die Existenzgrundlage für sie und ihre Familien.

In der Bäckerei, welche nur notdürftig ausgestattet war, haben acht Frauen und ein Mann gearbeitet. Aufgrund Hygienevorschriften, die gebäudetechnisch nicht eingehalten werden konnten, drohten örtliche Behörden mit der Schließung. Sie forderten beispielsweise ein steriles Arbeitsumfeld durch abgehängte Decken und verschließbare Fenster.

  • Die Frauen bei der Arbeit

 

Was wir dort erreichen wollen

Unser primäres Ziel ist durch den Neubau des Gebäudes die Schließung zu verhindern und angepasst an die Bedürfnisse der dort arbeitenden Witwen ein funktionierendes Geschäftsmodell zu erarbeiten.

  • Das neue Gebäude wird allen Hygiene- und Sicherheitsanforderungen entsprechen.
  • Räumlichkeiten sowie Maschinen ermöglichen eine effiziente und höhere Produktion bei Erweiterung der Produktpalette.

Die darauf folgende Umsatzsteigerung und Bildung von Rücklagen soll

  • das Einkommen der Witwen sichern:
    Sie können für sich selbst und ihre Familien sorgen und erhalten einen sicheren und geregelten Tagesablauf.
  • die Selbständigkeit der Bäckerei gewährleisten:
    Die Bäckerei wird unabhängig von finanzieller Hilfe und kann sich selbst tragen.
  • das Einstellen von weiteren Mitarbeiterinnen ermöglichen

Durch die Leitung und Überwachung des Betriebs durch die Non-Profit-Organisation Sisters of the Holy Cross können wir uns sicher sein, dass sich eine Steigerung des Absatzes und dessen Gewinnbringung zugunsten der Kriegswitwen auswirken wird. Gewinne werden in das Projekt reinvestiert. Im Zuge der verbesserten wirtschaftlichen Situation der Frauen und ihrer Familien werden auch die Bildungschancen ihrer Kinder verbessert, so dass sich der Effekt nachhaltig und generationsübergreifend auswirkt.

Unser langfristiges Ziel ist es, eine Gemeinschaft unter den Witwen aufzubauen, die sich gegenseitig unterstützt und auf eigenen Beinen stehen kann. Dadurch versprechen wir uns, den Witwen mehr Selbstbewusstsein zu geben und ihre schwierige gesellschaftliche Situation nachhaltig zu verbessern. Der neue Arbeitsplatz soll ihre Sicherheit erhöhen und ihre finanzielle und soziale Unabhängigkeit sicherstellen. In Bezug auf die acht Milleniumsziele steht also die „Gleichstellung der Geschlechter und Frauenförderung“ im Zentrum unserer Arbeit. Wir hoffen durch unsere Arbeit im Land das Gesellschaftsbild der allgemeinen Gleichberechtigung zu vermitteln. In vergangenen Projekten hat insbesondere das Engagement von deutschen Frauen während der Bauphase das Bild einer emanzipierten und selbstbewussten Frau sehr gefördert.

Durch das Einbeziehen der Betroffenen während der Planung des Gebäudes und der Produktionskettenoptimierung wird schon früh ein Fokus auf Wissenstransfer in beide Richtungen gelegt. Infolge der gemeinsamen Ausführung, leisten wir einen Beitrag zur Völkerverständigung und bewirken einen interkulturellen Austausch. Vom stetigen Wissensaustausch soll die örtliche Bevölkerung besonders in fachlicher Hinsicht profitieren: Bei der Erstellung eines neuen Betriebskonzepts möchten wir ihnen vor allem wirtschaftliches Denken näherbringen und ihnen zeigen, mit welchen Methoden sie ihre eigene Situation verbessern können.