Beaumont Studenten bauen Kindern in Haiti eine Zukunft
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Status

Laufend

Begonnen

Dezember 2014

Mitgliederzahl

46

Land

Haiti

Ort

Beaumont

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Status

Laufend

Begonnen

Dezember 2014

Mitgliederzahl

46

Land

Haiti

Ort

Beaumont

Einkaufstouren und andere Planungen – klappt meist nicht auf Anhieb aber am Ende dann doch

Nachdem Dominik und Matthias die Außenwände in ihrer Zeit zu zweit so gut wie abschließen konnten, wurde pünktlich zum Innenausbau das Team Anfang Dezember um drei alte Haudegen aus dem Vorgängerprojekt MEVA ergänzt. Frei nach dem Motto: “Gepfuscht wird nur bei der Schalung” war es nun an der Zeit, die am wenigsten schiefe Wasserwaage zu identifizieren und ganz genau zu arbeiten.

Die Zeit des Betonierens näherte sich dem Ende zu und viele verschiedene Tätigkeiten (Elektrik, Trockenbau, Bad, Holzständerwände, Wandsockelbetonage, Abwasserentsorgung, Frischwasserversorgung) benötigen erstens die Beschaffung einer Vielzahl an Materialen und zweitens eine gute Planung. Beides Dinge, die in Haiti nicht immer einfach sind und daher Grund genug, ihnen einen eigenen Beitrag zu widmen.

1. Baumaterialbeschaffung und Transport

Haiti ist ein Importland und ein Großteil der hauptsächlich amerikanischen Waren wird in Port-au-Prince an Land gebracht. Hier herrscht daher die größte Auswahl an verfügbarem Material und der günstigste Preis. Kennt man seine Quellen, bekommt man hier (fast) alles. Ob auf dem chaotischen und riesigen Marché Salomon, in dem in tausenden kleinen Lädchen zu sehr variablen Preisen gehandelt wird oder in dem gut sortierten MSC Baumarkt: Einkaufen ist hier nicht einfach (lange Wege, dreckige Luft und Hitze), aber meist recht erfolgreich.

Bewegt man sich weg von der Hauptstadt – zum Beispiel in unser abgelegenes Beaumont – wird die Auswahl schnell dünner und die Preise erhöhen sich proportional zu den nicht unerheblichen Transportkosten.

Daher ist es immer sinnvoll schon bei der Anreise detaillierte Pläne der bevorstehenden Bauphase parat zu haben, um gegebenenfalls ausgefallene Dinge vor der Weiterreise nach Beaumont zu organisieren.

So auch diesmal geschehen. Und dies bringt uns zu unserer ersten Anekdote, die exemplarisch für  viele Erlebnisse in unserer Zeit hier steht. Ausgerüstet mit Teillisten begaben wir uns am Tag nach unserer Anreise in den Baumarkt in Port-au-Prince, um Material für den geplanten Trockenbau im Bad zu besorgen. Vorher wurde schon telefonisch über den Partnerverein „Pwojè men kontre“ der anschließende Transport der Ware nach Beaumont organisiert und auch mit der Leitung des Baumarkts war alles abgesprochen. So weit so ‘easy’, wie man hier sagen würde. Dummerweise dauerte die Lieferung am Ende doch fast zehn Tage und es fehlten einige der bestellten Posten. Außerdem wurde ein zehnfach überdimensioniertes Erdungskabel geliefert. Acht Stunden Fahrt eines großen LKWs über teilweise katastrophale Straßen und die falsche Ware am Zielort: Da herrschte erstmal Ratlosigkeit, welche aber durch ein paar Anrufe schnell ausgeräumt wurde. Ein paar Tage später fuhr sowieso ein LKW nach Jérémie und damit durch Beaumont. Dieser rief uns dann irgendwann von der Straße aus an, er wäre in  30 Minuten in Beaumont. An der Straße wurden dann unkompliziert Waren ausgetauscht und am Ende hatte dann doch alles geklappt… so wie (fast) immer.

Relativ viele Materialen können auch im nahe an Beaumont gelegenen Les Cayes besorgt werden. Man muss nur wissen wo. Das beeindruckendste Erlebnis hier war ein ca. 20m² großer Laden mit zwei Stockwerken, in dem die dynamische Lagerhaltung auf ein neues Level gehoben wurde. Für Außenstehende ist kein System erkennbar, dennoch kennt eine Dame am Eingang alle der vorhandenen Artikel und ihren Preis. Ist die Bestellung aufgegeben, schwingt sich ein Gehilfe in das Chaos und findet in Windeseile alles Benötigte.

2. Planung: Und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

“Life is what happens, while you are busy making other plans”. Dies gilt wohl an wenigen Orten so sehr wie hier in Haiti. Viel passiert hier sehr spontan und wenn etwas geplant ist, kommt es doch meistens anders. Anpassungsfähig wie wir sind, wurde das Prinzip Spontanität direkt für die Abschiedsfeier von Matthias und Dominik angewandt. Die Gäste wurden bereits Montags für die am Mittwoch stattfindende Feier in das neue Mädchenwohnhaus eingeladen. Allerdings war damals weder Elektrizität im Wohnhaus (Licht), noch Essen, noch Getränke, noch ein Grill für das anstehende Fest in Sichtweite. Viel änderte sich daran nicht bis drei Stunden vor dem Beginn der Feierlichkeiten. Parallel wurde dann ein Grill aus dem Verschnitt der Bewehrung gerödelt, das Feuer entfacht, Getränke besorgt und das Hähnchen von unserer fantastischen Nachbarin Bernadette mariniert. Als dann die zehn Gäste dankbarerweise eine Stunde später ankamen, war alles bereit und es wurde ein würdiges Abschiedsfest für das Bauphasenteam 5.5 und Einweihungsfest für das Mädchenwohnhaus.

Was passiert, wenn man versucht längerfristig zu planen, wurde uns am zweiten Weihnachtsfeiertag bewusst. Der schon eine Woche vorher durchgeplante Transport von den Neuankömmlingen Fred und Michael vom Flughafen zu unserem Weihnachtsurlaubdomizil Île à vache wurde eine Stunde vor Ankunft über den Haufen geworfen, als Hugo (der haitianische Vorstand von „Mwen Kontre“) kurz vor dem Flughafen von einem Motorradtaxi gerammt wurde. Glücklicherweise ist nichts Schlimmes passiert, dennoch musste spontan umorganisiert werden. Dank Stanley, unserem haitianischen EWB Mitglied, alles kein Problem. Zehn Telefonate später war die dritte Handynummer von Erik, einem der vertrauenswürdigen Fahrer in Port-au-Prince, organisiert und dieser auf dem Weg zum Flughafen. Eine Nacht auf dem Dach der Schule MEVA (Vorgängerprojekt) später, ging es in den ersten Bus am Morgen in Richtung Les Cayes, wo sie Stanley in Empfang nahm und mit ihnen das Boot in Richtung Insel bestieg.

Wie (fast) immer galt das hier weit verbreitete Motto „pas gen pwoblem“ (kein Problem) und alle wunderten sich mal wieder über die seltsamen Deutschen, die sich zwischendurch Sorgen gemacht hatten.

Auf der Baustelle ging es zügig voran. Die Sockel der Innenwände und des Bads sind betoniert, die Holzständerwände sind gestellt und erste Türen sind eingebaut. Mit bereits installierter Elektrik geht es nun an das Badezimmer – den wohl aufwändigsten Abschnitt des Innenausbaus, die Abwasserentsorgung und die Frischwasserversorgung des Hauses.

Ein frohes Neues Jahr aus der Ferne wünschen Martin, Lena, Frederick, Michael und Frieder.

3 Kommentare


  1. Auch Euch ein frohes Neues Jahr. Und danke für den wieder einmal sehr schönen Bericht!
    Liebe Grüße
    aus Lahr

    Antworten

  2. Liebe EWBler!

    Mal wieder tausend Dank für eure Arbeit und auch vielen lieben Dank für den akutellen Bericht und die Bilder.
    Ein Anliegen: Könntet ihr den Wechsel der Bilder vielleicht etwas verlangsamen? Wäre super!
    Allen, die irgendwie bei euch mitarbeiten und mithelfen und euch unterstützen wünsche ich ein gutes und gesundes und auch friedliches Neues Jahr!

    Liebe Grüße von Irmela Fritsch aus Oberwolfach

    Antworten

  3. Liebes Bauteam,
    danke, daß wir an eurer Arbeit und eurem Engagement in Beaumont teilhaben können, dank eurer immer wieder spannenden Berichte. Euch allen ein gutes Gelingen eurer nächsten Bauvorhaben trotz manchmal widriger Umstände.
    Ich wünsche euch ein glückliches, spannendes und gesundes Jahr 2018!!
    Liebe Grüße aus Lahr ! Annette Büchele

    Antworten

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