Beaumont Studenten bauen Kindern in Haiti eine Zukunft
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Status

Laufend

Begonnen

Dezember 2014

Mitgliederzahl

30

Land

Haiti

Ort

Beaumont

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Status

Laufend

Begonnen

Dezember 2014

Mitgliederzahl

30

Land

Haiti

Ort

Beaumont

Die Covid-19 Krise beherrscht mittlerweile seit über einem Jahr unsere Leben, so langsam kann man gar von einem Corona-Alltag sprechen. Gerade jetzt während der Klausurenphase von uns Studierenden merkt man immer wieder, wie die Gedanken abschweifen an die Zeit vor Corona. Genau diese Gedankengänge haben uns dazu angeregt, unseren aktuellen, von Corona geprägten Tagesablauf, mit den Erinnerungen des Baustellenalltags in Haiti zu vergleichen. Hierzu haben wir bei Niklas nachgefragt, wie sein aktueller Alltag in Deutschland aussieht und damals in Haiti war. Niklas studiert seit 2014 am KIT Wirtschaftsingenieurwesen und ist mittlerweile in den letzten Zügen seines Studiums. Zweimal war er bereits mit EWB in Haiti. Er erzählt uns nun exemplarisch für viele EWBlerInnen von 10 Stunden am Laptop und 10 Stunden auf der Baustelle …

In Deutschland beginnt sein Alltag mindestens ein bis zwei Stunden später als in Haiti: Er wird entweder durch seinen Mitbewohner geweckt, seine innere Uhr oder den Wecker, den er dann doch mal stellt, falls ein Termin ansteht. In Haiti hingegen steht er schon bei Dämmerung zwischen 5:30 Uhr und 6:30 Uhr gemeinsam mit den anderen EWBlerInnen auf, begleitet von guter Musik. Nach einer ersten Katzenwäsche und dem erfolgreichen Auftragen von Sonnencreme und Mückenspray gibt es dann erstmal Frühstück dank Bernadette. Dieses Frühstück variiert von Brötchen vom Bäcker (welche nicht vergleichbar mit deutschen Brötchen sind) mit Mamba (Erdnussbutter) und Ananasmarmelade bis hin zu Nudeln und Reis. Nach dem Frühstück und Gesprächen über die dreckigen Baustellenklamotten und der anstehenden Arbeit auf der Baustelle macht sich die Gruppe auf den Weg zum Arbeitsplatz. Spätestens nach dem 15-minütigen Bergaufmarsch sind auch alle wach!   

Der Arbeitsweg in Deutschland ist wesentlich kürzer für Niklas, er ist exakt einen Schritt weit, nämlich von seinem Bett zum Schreibtisch. Daher begrenzt sich seine Morgenroutine auch nur auf einen Tee und die Tagesschau bevor es an das erste Prüfen der Emails geht. Doch auch hier haben sich in Zeiten von Corona Traditionen eingebürgert, so wird jeden Tag um 9 Uhr eine Pause für das gemeinsame Aufbackbrezel-Frühstück mit seinem Mitbewohner eingelegt. Dann wird wieder alleine am Schreibtisch weitergearbeitet, eingegrenzt in den direkten Kontaktmöglichkeiten, aber dauerhaft verbunden mit und durch das Internet. Bis jetzt hat Niklas 20 Schritte gemacht... 

In Haiti hingegen hat sich Niklas bis zum Mittag körperlich schon sehr verausgabt, typische Aufgaben am Vormittag sind Holz und Grabarbeiten, Betonagen, Dachdecken und Bewehrungen biegen. Kein Wunder also, dass er bereits um 09:30 Uhr zum zweiten Mal Hunger hat und dann bereits zu dieser Uhrzeit so viel gegessen hat, wie in Deutschland bis zum Nachmittag. Um 13 Uhr gibt es dann jeweils das Mittagessen, in Haiti reduziert sich die Auswahl auf die kalten Nudeln oder den Reis vom Morgen, alternativ wächst je nach Jahreszeit Avocado, welche dann frisch aufgelesen auf Brötchen geschmiert werden. Auf der anderen Seite stehen Niklas und sein Mitbewohner in Deutschland vor der Qual der Wahl und es muss entschieden werden, ob man die Reste im Kühlschrank noch zu einem Mittagessen zaubern kann oder doch der kurze Weg zum Supermarkt um die Ecke zurücklegt werden muss. Beim gemeinsamen Mittagessen wird sich dann über das Studium unterhalten und überlegt, ob man heute noch das Haus verlassen sollte, da es immerhin fünf Stockwerke sind, die man zurücklegen müsste. Anschließend geht es dann wieder an den Schreibtisch und die Uniunterlagen. So stand Niklas bis jetzt zwei Mal im persönlichen Austausch mit seinem Mitbewohner, und war jedoch durchgängig über das Internet erreichbar. Im Gegensatz dazu ist er in Haiti im andauernden Austausch mit anderen und die Zeit im Internet ist dafür sehr begrenzt.  Dennoch geht es auch in Haiti genauso, nach einem kurzen erholsamen Mittagsschlaf auf einer Holzbank, zurück an die Arbeit . 

Gegen 16 Uhr braucht Niklas eine Pause von seinen Studienunterlagen und widmet sich bis zu einer Stunde vorbildlich der anstehenden Aufgaben bei EWB, so organisiert er beispielsweise digitale Treffen mit neuen Mitgliedern. Hier ist weiterhin  der persönliche Kontakt leider nicht möglich, aber man ist zumindest über das Internet verbunden. Im Anschluss daran wird sich noch mal für 1,5 Stunden auf die Aufgaben des Studiums fokussiert bis letztlich die Abendroutine beginnt. Niklas wird hierbei den ganzen Tag durch entspannende Musik begleitet, welche helfen soll, sich erfolgreich zu konzentrieren.  

In Beaumont hingegen gibt es jeden Tag abwechslungsreiche Musik aus den verschiedensten Genres, welche die Haitianer über die Musikboxen auf der Baustelle laufen lassen bis um 17 Uhr Feierabend ist. Im Idealfall wird der Heimmarsch noch vor der Dämmerung eingelegt. Dieser führt mit einem zufrieden Gefühl über das Dorf Beaumont. In diesem befindet sich ein kleiner Kiosk, in welchem kalte Getränke für den Abend eingekauft werden. Zuhause angekommen wird zunächst die Duschreihenfolge festgelegt und jeder versucht, sich aus den Arbeitsklamotten zu schälen und möglichst viel roten Sand zu entfernen, denn zur Reinigung gibt es lediglich eine Tonne Wasser, sowie eine Schöpfkelle. Im Anschluss daran gibt es das verdiente Feierabendbier, nach einem langen Arbeitstag in der karibischen Hitze. 

Im Vergleich dazu sieht die Abendroutine in Deutschland  ganz anders aus. Aufgrund der geringen körperlichen Betätigung über den Tag hinweg wird jetzt erstmal eine Sporteinheit mit dem Mitbewohner eingelegt gefolgt von einer schönen warmen Dusche. Nach der Sporteinheit fühlt sich Niklas ausgeglichener und auch der bekannte Hunger kommt wieder. Der zweite Mitbewohner geht meistens auf dem Heimweg von der Arbeit im Supermarkt vorbei, weshalb wieder eine Vielfalt an verschiedenen Abendessen möglich ist. So wird zu dritt gekocht und gespeist, beispielsweise wird sich für Nudeln mit Gemüse und dazu Salat entschieden.  

In Beaumont hingegen gibt es keine Auswahlmöglichkeiten, dennoch freut sich jeder auf die warme Mahlzeit, welche Bernadette am Abend vorbeibringt. Im Anschluss daran wird dann meistens gemeinsam auf der Veranda der Tag Revue passieren gelassen und ggf. Pläne für den nächsten Tag diskutiert. Meistens liegen alle bis spätestens 22 Uhr total erschöpft im Bett, da man seine Energiereserven für den nächsten Tag wieder auffüllen muss. Niklas versucht zwar, noch ein bisschen zu lesen oder seine frisch gelernten kreolischen Wörter zu üben, aber es dauert nicht lang bis die Augen zu schwer werden und einfach zufallen. Um diese Uhrzeit ist Niklas in Deutschland noch nicht im Bett, stattdessen genießt er die freie Zeit und schaut Dokus, Serien, Fußball oder spielt Brettspiele. Erst gegen 23 Uhr zieht es ihn in Richtung seines Betts in seinem eigenen Zimmer, wo er dann nach und nach zur Ruhe kommt.  

Die Unterschiede im Alltag könnten nicht größer sein: so sitzt Niklas in Deutschland aufsummiert rund 10 Stunden vor PC und TV und schafft es gerade mal eine Stunde an die frische Luft, um sich körperlich zu betätigen. Auf der anderen Seite verbringt er in Beaumont 10 Stunden auf der Baustelle und betätigt sich körperlich. Insgesamt ist er also mindestens 14 Stunden an der frischen Luft. Die einzige Gemeinsamkeit des Deutschen und Haitianischen Alltags ist das wohlverdiente Feierabendbier mit den Mitbewohnern oder eben den EWBlerInnen.

Euer Team Beaumont. Bleibt gesund! 

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