Beaumont Studenten bauen Kindern in Haiti eine Zukunft
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Status

Laufend

Begonnen

Dezember 2014

Mitgliederzahl

30

Land

Haiti

Ort

Beaumont

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Status

Laufend

Begonnen

Dezember 2014

Mitgliederzahl

30

Land

Haiti

Ort

Beaumont

Gestern war der Nationalfeiertag der Flagge und der Bildung in Haiti, ein Datum, welches man sich merken sollte. Dieser Tag liegt uns besonders am Herzen, da wir versuchen, mehr Kindern ihr Recht auf Bildung zu ermöglichen, indem wir eine Schule bauen. Bildung, ein Recht, welches wir oft nicht schätzen, weil es für unsere Kinder und Studenten hier eine Selbstverständlichkeit ist, aber ein Privileg für Kinder in vielen anderen Ländern ist, wie zum Beispiel in Haiti.

 

Da dies ein Must-Know für alle EWBlerInnen, Haiti-Freunde und langjährigen Blogleser ist, wollten wir das Wissen über den Feiertag und das Bildungssystem auffrischen. Der Flaggen- und Universitätsfeiertag in Haiti findet jedes Jahr am 18. Mai statt. Dieser zelebriert sowohl die haitianische Flagge als auch das Bildungssystem. 

Die Haitianische Flagge entstand aus der französischen Flagge im Jahre 1803 im Unabhängigkeitskampf gegen Frankreich. Zu diesem Zweck wurde der weiße Streifen entfernt und die Streifen horizontal anstatt vertikal angeordnet. Die haitianische Nationalflagge besteht somit aus zwei gleichgroßen horizontalen Streifen, oben blau und unten rot. Haiti war jedoch nicht das einzige Land, welches diese Kombination und Anordnung als Nationalflagge nutzte. So kam es dazu, dass während der Sommerolympiade 1936 festgestellt wurde, dass Liechtenstein und Haiti die gleiche Flagge nutzten. Daraufhin entschieden beide Länder, dass sie zur eindeutigen Unterscheidung Symbole in der Mitte ihrer Flaggen anbringen wollten. Somit behielten beide die Farben und die Anordnung der Farben bei und unterscheiden sich lediglich in dem Symbol und dessen Position auf der Flagge. Haitis Nationalflagge besitzt in der Mitte ein weißes Rechteck, das das Wappen von Haiti enthält. Das Wappen besteht aus angeordneten Waffen auf einem grünen Hügel und einer königlichen Palme. Die Waffen symbolisieren die Bereitschaft des Landes, seine Freiheit zu verteidigen, während die königliche Palme seine Unabhängigkeit symbolisiert. Auf der königlichen Palme befindet sich die phrygische Mütze. Auf dem grünen Hügel befindet sich ein Band mit dem Motto “L’Union Fait La Force” –Die Union ist Die Macht”. 

Im Jahr 1919 veranlasste die Regierung, dass der Flaggenfeiertag erweitert wird zum Flaggen- und Universitätsfeiertag. Dies war die Reaktion auf die Bedrohung der Unverletzlichkeit des Bildungssystems, welches durch die amerikanische Besatzung 1915 verursacht wurde. Wie das Bildungssystem heute in Haiti aufgebaut ist, 102 Jahre nach der Erweiterung, wird im Folgenden wiedergegeben.  

Ab vier Jahren können Kinder den Kindergarten besuchen, dieser ist jedoch kostenpflichtig, weshalb es ein Privileg in Haiti ist. Mit dem fünften Lebensjahr werden die Kinder in die erste Klasse eingeschult. Die Grundbildung umfasst in Haiti neun Jahre. Diese wird in drei Teile aufgeteilt, weshalb nach der 6. und nach der 9. Klasse eine Prüfung erfolgt, welche entscheidet, ob das Kind weiterhin zur Schule gehen darf. Anschließend können die Jugendlichen noch eine weiterführende Schule besuchen, welche weitere vier Jahre dauert. Dieser Abschluss ist mit dem Abitur vergleichbar1) 

Im Gegensatz zu der 12-jährigen Schulpflicht in Deutschland, sind in Haiti die Kinder nur fünf Jahre schulpflichtig und somit ab einem Alter von 11 bereits nicht mehr schulpflichtig. Trotz der Schulpflicht besuchen nur 83 Prozent der Kinder überhaupt die Grundschule und nur etwa ein Drittel der Schüler geht auf eine weiterführende Schule2). Aufgrund der Armut verlassen Kinder meist schon früher die Schule bzw. das Bildungssystem, da sie ihre Familien unterstützen müssen. Der Staat führt 20 Prozent aller Schulen, die sogenannten staatlichen Lycées. Die restlichen Schulen sind kostenpflichtig und werden privat oder von Kirchen geführt und werden als Collegio bezeichnet. Alle Schüler, egal ob sie das Lycée oder Collegio besuchen, tragen Schuluniformen. Diese unterscheiden sich lediglich in ihren Farben, da diese von den Schulen selbst gewählt werden können. Meistens werden jedoch die Nationalfarben weiß, gelb, blau und rot gewählt 3). 

Die Unterschiede zwischen den Schulformen werden im Schulalltag sehr deutlich: 

Am Collegio müssen alle Bücher gekauft werden, die staatlichen Schulen stellen kostenlose Bücher zur Verfügung. Im Gegensatz zum deutschen Schulunterricht findet der Unterricht oft ohne TV-Geräte oder Overhead-Projektoren statt, stattdessen wird an Holztafeln unterrichtet. Die Unterrichtssprachen sind Französisch und Kreolisch, außerdem wird manchmal auch Englisch gelehrt. Neben den Sprachen wird Literatur, Mathematik, Chemie, Physik, Biologie und Sport unterrichtet. Nur an den katholischen Schulen wird zusätzlich Musik-, Kunst- und Religionsunterricht gelehrt. Im Gegensatz zu deutschen Schulen haben die Schüler montags bis samstags von 08:00 Uhr bis 12:00 Uhr Unterricht. Das Schuljahr ist hier in Trimester eingeteilt, weshalb die Schüler alle drei Monate Prüfungen schreiben. Selbst nach dem Abitur fangen gerade einmal 20 Prozent der Abiturienten an zu studieren. Dies liegt hauptsächlich daran, dass, obwohl der Staat kostenlose Bildung anbietet, dennoch nur die Kinder wohlhabenderer Familien auf die Universität gehen. Haiti hat insgesamt 13 Universitäten, von welchen nicht einmal die Hälfte öffentliche Institute sind 4)5). 

Im Jahr 2010, nach dem schweren haitianischen Erdbeben, wurde der „operational Plan“ ausgerollt. Hierfür gab der haitianische Präsident das Mandat an die Inter-American Development Bank für die Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium und der nationalen Kommission zur Erarbeitung einer Reform des Bildungssystems. Ziel war es, viele der privaten Schulen zu verstaatlichen, um dadurch mehr Kindern die Bildung zu ermöglichen. Dank dieser Initiative ist die Schulrate von 50% auf die oben bereits erwähnten 83% bei Grundschülern gestiegen. Es wurden jedoch noch lange nicht alle Ziele der Initiative erreicht. Dennoch kann man sagen, dass diese Initiative ausschlaggebend war, denn weitere Initiativen erfolgten. 2017 starteten zum Beispiel das Internationale Institut für Bildungsplanung der UNESCO und die Europäische Union ein Projekt zur Analyse und Stärkung des haitianischen Bildungssystems6) 

In Anbetracht des Nationalfeiertags in Haiti ist dies eine gute Möglichkeit, daran zu denken, wie wichtig Bildung ist und, dass sie überall auf der Welt ein Recht und kein Privileg sein sollte.  


Unsere Quellen:

1)https://www.kinderweltreise.de/kontinente/nordamerika/haiti/alltag-kinder/schule-in-haiti/ 

2)https://www.globalpartnership.org/where-we-work/haiti 

3)https://www.magazin-auswege.de/tag/schulsystem-in-haiti/ 

4)https://www.scholaro.com/pro/Countries/Haiti/Education-System 

5)  https://www.altillo.com/en/universities/universities_haiti.asp 

6)https://reliefweb.int/report/haiti/developing-capacities-stronger-education-system-haiti 

 

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