In unserem Hostel angekommen kontaktierten wir unsere vier möglichen Projektpartner über unsere sichere Landung. Wir waren sehr aufgeregt die Leute kennen zu lernen, mit denen wir schon über Monate Kontakt aufgebaut hatten. Unsere Projektsuche hatten wir vor ca. einem Jahr gestartet.
Bevor es also in die verschiedenen Projektdörfer ging, trafen wir die möglichen Projektpartner zum Tee, um alle Details der Reise zu klären in Kathmandu. Die meisten nepalesischen NGOs haben ihren Hauptsitz nämlich in der Hauptstadt von Nepal.
Unsere erste Reise sollte uns nach Dhuskun, Sindhupalchock führen. Unser möglicher Projektpartner Dipendra, wartete schon am Busbahnhof auf uns, sodass wir nicht lange nach unserem Bus suchen mussten. Außer ihm mit an Bord war Kabita, die von Namlo als Übersetzerin engagiert wurde und sich als super Unterstützung herausstellte. Nach einer fünfstündigen Fahrt kamen wir in der größeren Stadt Barhabise an. Da es angefangen hatte zu regnen, stärkten wir uns erstmal in einer kleinen Hütte mit typischem nepalesischem Essen. Dann ging es mit Sack und Pack los. Glücklicherweise nahm uns ein Steinlaster mit ins Dorf, so blieb es uns erspart 2 Stunden bergauf zu laufen.
In Dhuskun angekommen führte uns Dipendra zu dem Haus von Rhada, indem wir unseren einwöchigen Aufenthalt verbrachten. Rhada und ihr Mann haben 3 Kinder, wovon 2 währen unserer Reise auch zu Hause waren.

Wir wurden super herzlich aufgenommen und fühlten uns alle unglaublich wohl. Dies lag wohl auch daran das Rhada eine unglaublich gute Köchin ist. Besonderes Highlight war auch die Ziegenfütterung nach dem Frühstück mit den Bananenschalen.

Um uns mit dem Dorf vertraut zu machen hatte Dipendra eine „Welcome Party“ organisiert. Wir wurden nach nepalesischer Tradition Willkommen geheißen. Dazu gehörte auch ein kleiner Tanz am Ende. Auch wir stellten uns und unsere Arbeit bei EWB vor. Nach der Vorstellung wollten wir von dem Dorf mehr über ihr bestehendes Wasserproblem erfahren. Es wurde sehr deutlich, dass die Bewohner vor allem in der Trockenzeit nicht genügend Wasser zur Verfügung haben.

In den darauffolgenden Tagen waren wir damit beschäftigt, erste GPS Daten aufzunehmen und Wasserdurchflüsse aller Quellen zu messen, die aktuell das Dorf stillen. Wir besichtigten das Wassersystem, das zurzeit etwa 30 % der Haushalte mitversorgt. Dipendra war uns eine große Hilfe, da er Ort und Leute sehr gut kennt. Namlo ist schon seit mehreren Jahren in Dhuskun aktiv und hat unter anderem Projekte wie die Ziegenzucht und Gewächshäuser etabliert.

Besonders schön war auch, dass wir immer von vielen Kindern des Dorfes begleitet wurden. Wir wurden zu einer Quelle außerhalb des Dorfes geführt, die eine mögliche Lösung für die Wasserknappheit darstellen könnte. Bei jeder Quelle führten wir Schnelltests durch, um Aussagen über die Wasserqualität (pH, Kupfer, Nitrate, Pestizide) treffen zu können.
Außerdem gingen wir zu mehreren Haushalten, um noch einmal im kleineren Kreis mit den Leuten zu reden und sie zu ihrer Situation zu befragen und um eine genauere Vorstellung zu gewinnen. Dabei stellten wir fest, dass vor allem Wasser für die Haushalte und die kleinen Gemüsegärten fehlt, die von den meisten Familien für ihren Eigenbedarf bepflanzt werden.

Fast am Ende unseres Aufenthalts fand ein Treffen mit dem „Ward President“ statt. Seine Position kann mit der eines Bürgermeisters verglichen werden. Er betonte die Notwendigkeit eines zentralen Wassersystems und bot uns seine Unterstützung an. Er alleine könne das Projekt nicht stemmen.
Der Abschied fiel uns nicht leicht, da wir uns in einer Woche schon so sehr eingelebt hatten, aber es warteten noch drei anderen Projekte auf uns.

Unser nächstes Ziel war das Dorf Bhamti Bhandar, in dem es die Überlegung gab, eine Lösung für das Müllproblem des Dorfes zu entwickeln. Danach ging es nach Japhe und Phoolbari. In beiden Dörfern sollte eine Sanitäranlage für eine Schule gebaut werden.
Die Hauptaufgabe unserer Reise bestand darin, alles über die besichtigten Projekte herauszufinden. Dafür hatten wir vor der Reise Checklisten ausgearbeitet, um die Projekt vergleichen zu können. Wir haben großen Wert darauf gelegt herauszufinden, ob die Partnerorganisation zu uns passt. Um ein nachhaltiges Entwicklungsprojekt durchzuführen, ist für uns die Rolle des Projektpartners sehr wichtig, da wir nur zweimal im Jahr in Nepal vor Ort sein können.
Nachdem wir nach Deutschland zurückgekehrt waren, wurden die vier Projekt der kompletten EWB Nepal Gruppe vorgestellt. Während des Entscheidungsprozesses haben wir viel über die Wirkung unserer Arbeit nachgedacht. Welches der besichtigten Projekte können wir durch unsere Arbeit in ihrer Entwicklung am besten unterstützen?
Wie ist unser EWB Team aufgebaut und was sind unsere Kompetenzen?
Während den Diskussionen in der Gruppe haben wir einander besser kennen gelernt und sind als Team stärker geworden.
Nach langer Evaluation entschieden wir uns für das Wasserprojekt in Dhuskun. Wir glauben, dass Wasser das Fundament einer sozialen und ökomischen Entwicklung bildet. In unserem alten Projekt Bikash konnten wir schon viele Erfahrungen mit dem Thema Wasserleitungsbau sammeln und sehen Potenzial diese Erfahrungen anzuwenden und unser Konzept weiter zu optimieren. In Namlo sehen wir einen starken Projektpartner, von dem wir vor allem auf gesellschaftlicher Ebene viel von ihrer Arbeit vor Ort lernen können. Unser Ziel ist es, neben dem technischen Erfolg des Projekts ein Hauptaugenmerk auf die Einbindung der Gesellschaft, den Wissenstransfer sowie ein nachhaltiges Instandhaltungskonzept zu legen.
Hochmotiviert startet jetzt die Arbeit für das Projekt Dhuskun!