Hydroélectricité Idjwi Chancen durch Wasserkraft
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Status

Laufend

Begonnen

November 2015

Mitgliederzahl

30

Land

DR Kongo

Ort

Bugarula (Insel Idjwi)

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Status

Laufend

Begonnen

November 2015

Mitgliederzahl

30

Land

DR Kongo

Ort

Bugarula (Insel Idjwi)

Letzte Woche haben wir euch über den Fortschritt beim Aufstellen der Masten für die 700m lange Stromtrasse berichtet. Wenn alles glatt läuft, soll diese in zwei Wochen schon Strom vom Wasserkraftwerk auf den Industriecampus transportieren. Dort wird unser Projektpartner PROLASA mit den bis zu 55kW Erzeugungsleistung unter anderem eine Holzwerkstatt und eine Maismühle betreiben. Dafür muss der Strom aber auch erst einmal erzeugt werden. Heute nehmen wir euch mit zum Wasserbau und verfolgen den Weg des Wassers aus dem Bach Tama bis zur Turbine.

Nun – was eignet sich besser, um den Weg des Wassers zu verfolgen als ein Boot? Und da es auf unserem Weg ganz schön eng und kurvig wird, haben wir uns für ein kleines Papierboot entschieden. Aber es ist nicht irgendein Papierboot – seetüchtig, mit bequemen Pappsesseln, bunt bemalt und eine kongolesische Flagge obenauf. Ein Papier-Kreuzfahrtschiff sozusagen. Also macht es euch bequem und seid gespannt!

Nach einer kurzen und holprigen Wildwasserrafting-Tour, treffen wir auf den Eingang des Zulaufkanals – ein gemauerter Kanal, der entlang einer malerischen Schlucht Richtung Tal fließt. Neben der gemütlichen Papierbootstour lässt sich alternativ auch die Kanalmauer für eine kleine Wanderung mit schönem Ausblick nutzen. Wenn ihr nun aufmerksam nach links und rechts schaut, so fallen euch vielleicht ein paar bunte Schmetterlinge oder blau-gelbe Echsen auf! Weiter unten im Tal sieht man Manjok, Bohnen und Bananenstauden auf kleinen Feldern.

Den Kanal hat PROLASA selbst gebaut, er war allerdings bisher kaum in Betrieb. Im Laufe der Zeit ist es durch Erosion am Hang zu 2 Brüchen gekommen. Bei einem von beiden ist der gesamte Kanal auf 7m Breite weggespült worden. Da auf Idjwi zum Kochen und Bauen viel Holz benötigt wird, ist die Abholzung ein großes Problem. Auf der ursprünglich bewaldeten Insel gibt es heute kaum mehr Wälder und der steinige und sandige Boden wird sehr leicht abgetragen. An einer Bruchstelle des Kanals treffen wir auf ein fleißiges Team aus ruandischen und kongolesischen Arbeitern und Arbeiterinnen. Angeleitet werden sie von Abraham, einem Ruander der auch schon beim Bau des Kanals sowie des Maschinenhauses beteiligt war und sich daher gut damit auskennt. Ab und an wird das Team von einigen EWBlern besucht, die sich bei Abraham mit ein paar lückenhaften Französischkenntnissen, Händen, Füßen und verschiedenen Aushilfs-Dolmetschern aus Reihen des Kanalteams nach dem Fortschritt der Baustelle erkundigen. Dieser ist meistens beträchtlich – nicht nur die Mauer wird in Windeseile wiederaufgebaut, auch wird die Kanalmauer stellenweise erhöht, damit auf dem Weg kein Wasser mehr verloren geht und in den Kanal gefallene Felsbrocken werden beseitig. Hier zeigt sich, dass unser Team über ungeahnte Kräfte verfügt. Wir EWBler hätten dafür mindestens doppelt so viele Menschen und Zeit benötigt.

Nach 350 m Fahrt tut sich vor uns das Sand- und dahinter das Druckbecken auf. Unser Boot dreht hier eine kleine Runde, damit Ihr die Gelegenheit habt die unglaubliche Aussicht zu genießen! Außerdem hat nebenbei der mitgeführte Sand und Schmutz Zeit, sich auf dem Boden des Sandbeckens abzusetzen.

Sobald wir nun ins Druckbecken hinüber schippern, solltet ihr euch gut an eurem Sessel festhalten und auf ein rasantes Tempo gefasst machen. Nun nähern wir uns nämlich der Hauptattraktion der Route: Eine über 100m lange Unterwasserrutsche wird uns direkt ins Herz des Wasserkraftwerks, das Maschinenhaus am Fuß des steilen Hanges, befördern. Damit diese Freizeitattraktion so sicher und reibungslos funktioniert, hat unser Team aus einheimischen Arbeitern und EWBlern in mühevoller Kleinarbeit 22 Fundamentblöcke zur Fixierung des Rohrs betoniert. Denn sonst wäre unsere Fahrt vom Druckbecken Richtung Turbine sehr kurvig und turbulent. Bei der Betonage standen Daniela und Kati und später auch Anna und Eva mit 10 wild zusammengewürfelten ruandischen und kongolesichen Arbeitern da. Schnell formte sich daraus ein Team: jeder hatte eine Aufgabe und eine Vorstellung, wie die Fundamente auszusehen hatten. Für die Motivation sorgten die Arbeiter von selbst. Ab und an begann plötzlich einer der Arbeiter „Kas Kos…“ zu rufen, worauf alle „Kas Kos…“ antworteten und alle begannen zu lachen. Das hat sich mit der Zeit zu einem Schlachtruf entwickelt und bedeutet etwa „Jede Arbeit ist eine Art von Arbeit“, wobei Musik hören von Schlagern bis Hip Hop nebenbei auch zu guter Stimmung, Motivation und kleineren Tanzpausen führte.

Bevor wir die Tour mit einem kleinen Looping durch das Schaufelrad der Turbine beenden, passiert unsere Rohrrutsche noch den Druckblock. Am Ende des mit Wasser gefüllten Fallrohres entsteht ein enormer Druck und es wirken große Kräfte. Dies ist auch gut so, denn das ist nötig um die Turbine zum Laufen zu bringen, allerdings muss die Kraft des herabrauschenden Wassers auch aufgefangen werden. Deshalb steht dort ein 3,7 m3 großer Betonblock, der das Fallrohr umschließt. Für dessen Herstellung haben Christina und Johannes mehrere Tage lang einen Bewehrungskorb gerödelt und 10 Arbeiter haben einen ganzen Tag lang von Hand Beton gemischt. Der Kies dafür war ein paar Tage zuvor von 150 Frauen gesammelt worden.

Insgesamt sind auf unserer Bootsfahrt viele verschiedene Menschen ein- und ausgestiegen. Es waren Menschen aus verschiedenen ethnischen Gruppen und mit insgesamt 6 verschiedenen Sprachen dabei, was anfangs für alle recht befremdlich war. Dennoch sind wir über die Zeit zu einem sehr guten Team zusammengewachsen und konnten viel voneinander lernen. Daher steigen wir alle nur wehmütig aus unserem Papierbötchen aus. Vom Maschinenhaus aus fährt es nun ohne Passagiere weiter, der Fluss schlängelt sich jetzt gemütlich an Kühen und einem großen Fußballfeld entlang Richtung See.

Seid gespannt wo wir sonst noch am Tüfteln sind.. mehr davon erfahrt ihr in der nächsten Woche.

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