Iyolwa – Water & Health Unterstützung für ein Schulzentrum in Uganda
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Status

Laufend

Begonnen

April 2015

Mitgliederzahl

30

Land

Uganda

Ort

Iyolwa

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Status

Laufend

Begonnen

April 2015

Mitgliederzahl

30

Land

Uganda

Ort

Iyolwa

Tobi und Rebecca haben sich nach langer Reisevorbereitung auf den Weg nach Iyolwa gemacht. In diesem Blogeintrag nimmt Tobi euch mit auf die Reise nach Uganda.

Ich fühlte mich noch immer ein bisschen betäubt und meine Augen waren müde von den letzten Tagen der Uniphase. Ich schlich mich in mein Zimmer, als es plötzlich klingelte. Ich unterbrach das Zusammenpacken- eigentlich war ich schon so gut wie fertig. Mein Mitbewohner stand draußen, er wollte noch auf Wiedersehen sagen. Es war bereits spät, eine leichte Spannung füllte den Raum, mein schwerer Rucksack lehnte ruhig an der Wand. Bald geht es los!

Kurz nach Mitternacht war es dann so weit, ich schloss meine Tür ab, eine Freundin brachte mich noch ein Stück Richtung Bahnhof. Die Karlsruher Nacht war leicht unruhig, lichtdurchwoben, geruchsfrei, normal. Die S-Bahn schob sich auf ihren Schienen voran. Nur wenige Menschen bewegten sich auf dem großen Platz vor der Bahnhofskathedrale und eine schwer bewaffnete Gruppe Polizisten patrouillierte. Ich bekam mein Ticket – Rebecca schrieb mir “Ich bin auf dem Weg” – kurz darauf zum Gleis. Es fühlte sich zu mindestens so an, als hätten wir alles geklärt, als wären wir bereit.

Um halb zwei rollte dann der Zug ein. Wir fanden zwei leere Doppelsitze, welche wir als provisorisches Bett annektierten und machten es uns gemütlich. Der Zug zog uns in die Dunkelheit – noch eineinhalb Stunden bis Frankfurt. Wir schliefen kurz ein, jedoch wurden wir regelmäßig von einsteigenden Personen geweckt.

Wieder hörte man den Druck der Maschinen, die Räder zischten über den Stahl – mehr Dunkelheit. Plötzlich wachte ich auf und auch Rebecca musste gespürt haben, dass wir kurz vor unserem Ziel waren. Wir mussten aussteigen. Wir hatten noch etwa eine Stunde Puffer, bis unser Gepäck angenommen wurde. Ich fragte mich kurz, ob das Gewicht mit der großen Bohrmaschine und den Arbeitssachen noch im vereinbarten Rahmen der Airline sei. 14 Kilo passten, die Frau vom Check-In organisierte uns sogar noch unsere Sitzplätze nebeneinander. Schlaftrunken nickte ich, in einem Zustand des Deliriums alles ab, was mir nicht wie totaler Quatsch vorkam. Wir schulterten unser Handgepäck und liefen weiter, zur Sicherheitskontrolle. Ich hatte schon vorher ein mulmiges Gefühl, wurde ich in der Vergangenheit doch sehr regelmäßig herausgezogen, um nochmal gründlich durchsucht zu werden. Pokerface – ich verstaute alle meine Reisegegenstände nach besten Gewissen, sortenrein in die Scanboxen. Mein Körpercheck verlief reibungslos, auch meine digitalen Geräte und persönlichen Gegenstände kamen einwandfrei durch. Doch ich sollte mich nicht zu früh freuen. Unruhe entstand um uns und immer mehr Kollegen tummelten sich um das Display. Ein mit MP5 bewaffneter, sehr netter Beamter, positionierte sich neben mir. “Wir würden sie gerne befragen”, meinte er nach einem Blickkontakt mit seinem dienstälteren Kollegen – klar. “Was ist denn in dem Rucksack?” Ja eine Bombe wohl kaum, dachte ich mir mit gefühlt rollenden Augen. Aber aus Sicherheitsgründen musste natürlich erst ein ganzer Stab anrücken, bevor wir den Inhalt anschauen konnten. Aus Versehen hatte ich meine solarbetriebene Notleuchte im Rucksack vergessen. Diese hatte anscheinend in Kombination mit den gehefteten Detailbeschreibungen Ähnlichkeit mit einem federgelagerten Sprengsatz.

Alle waren erleichtert, als ich den kleinen Gegenstand aus meinem Rucksack kramte und mit dem On-Knopf aktivierte. Interessiert sammelte sich die Schar von Beamten um uns – ach wegen Stromausfällen Solar… logisch! Die Polizisten verabschiedete sich und wir durften weiter. Ich war erleichtert, das sah mir auch Rebecca an, welche mich im Gespräch auffing.

Nun mussten wir nur noch ein bisschen warten, ich rannte nochmal die Meile durch das Terminal, um mir was zu essen zu suchen. Dabei fühlte es sich an wie in der Serie “ The Walking Dead”. Maskierte Menschen strömten mir entgegen, welche sich vor diesem neuartigen Virus schützen wollten, welcher nun auch in Deutschland angekommen war. Wir nahmen die Situation ernst, ohne in Angst zu verfallen. Wir hatten Glück! Am Tag unserer Ankunft wurden 700 Reisegäste in Quarantäne gestellt. Am nächsten Tag wurde verordnet, dass niemand ohne 14-tägige Selbstquarantäne einreisen dürfe.

Dann kam der Call für den Abflug. Die Luft um uns war kalt, sodass der Atem kondensierte und wie kleine Kinder bestaunten wir die riesigen, zum Teil zweigeschossigen Maschinen. Gepäck rollte an uns vorbei. Ein Hase hüpfte über die Startbahn und verschwand hinter dem Hitzeschild.

Wir gingen dann an Bord und Rebecca schlief sofort ein – während es sonst auch meine Spezialität war, den Start zu verschlafen, wollte ich ihn diesmal miterleben. Wir rollten auf die Startbahn, die Turbinen wurden lauter, umso mehr Luft sie anzogen – wir wurden sanft in die Sitze gedrückt – ein Kipp nach hinten – wir lösten uns vom Boden. Ich sah den grünen Boden, die Seen, ein Milchschaum wurde zu dichtem Weiß, einem Blenden und dann stießen wir durch die flachen Wolken. Wir tippten nur kurz den freien Himmel an, als auch gleich wieder unsere Nase sank und der Landeanflug auf Brüssel begannen. Mit donnernden Reifen setzten wir auf, auch Rebecca war jetzt wieder wach und wir reihten uns ein in die immer zu lange, stockende Schlange von aussteigenden Passagieren. Am Flughafen lief alles glatt. Wir wechselten das Terminal, der andere Flieger war pünktlich. Erneut hoben wir ab. Dies würde mein längster Flug bisher werden. Wieder einmal würde ich den afrikanischen Kontinent besuchen, doch das erste Mal auf der südlichen Hemisphäre landen. Ich schaute einen Film, arbeitete ein bisschen, versuchte zu schlafen, aber das klappte nicht wirklich. Der Kerl neben mir stellte sich dem ganzen Flugzeug als Architekt und Weltretter vor, vor uns Amerikaner, hinter uns Belgier. Tatsächlich hatte ich nicht erwartet, dass mindestens die Hälfte der Fluggäste weiß waren. Wir bekamen unsere Mahlzeiten, lasen beide in Rebeccas neuem Buch. Die Stunden zogen sich.

Schließlich kam die Ansage zur Zwischenlandung. Wir mussten ein medizinisches Dokument ausfüllen, das Flugzeug wurde, mit uns an Bord gereinigt. Dann kamen die neuen Gäste. Desinfektionsmittel wurde versprüht. Dann waren wir erneut in den Startlöchern für den Endspurt nach Entebbe.

Als ich aus dem Flugzeug ausstieg, kam es mir für eine Sekunde kalt vor, dann warm, dann bemerkte ich den Geruch nach Holz und alten Möbeln. Wir gaben unsere Dokumente für Corona, Ebola und Gelbfieber ab und bekamen daraufhin unsere Einreisestempel. Noch eine letzte Kontrolle, bevor es zum Gepäck ging. Alles war da, wenn auch mit Gebrauchsspuren. Wir halfen uns gegenseitig alles zu verstauen und waren jetzt bereit für Uganda.

Zum Übernachten hatten wir uns einen Platz über Couchsurfing organisiert. Nun war nur noch die Herausforderung dorthin zu kommen. An der Information schaltete sich gleich ein Taxifahrer ein, den wir ein kleines bisschen herunterhandelten, genug für einen ersten Geschmack – es war ja auch spät abends, nach 24 Stunden unterwegs. Er sei der schnellste – glaubten wir ihm und sicher fuhr er auch. Der Wind blies durch das offene Fenster und wirbelte Gerüche herein. Holz, Erde – wie wir später erfuhren wurden direkt neben der Straße Ziegel gebrannt. Wenige Lichter, viele schwach, bewachten den Weg, wie kleine aufgehängte Kugeln. Viele Menschen waren noch auf der Straße und wir quetschten unseren Fahrer aus. Er erzählte uns von seinem Land. Wir fragten ihn, was er am liebsten mit seiner Familie unternehme. Die Straßen verloren dann irgendwann den Asphalt und langsam schlichen wir über große Löcher. An jeder Kreuzung rief unser Taxifahrer unsere Gastgeberin an, welche ihm den weiteren Weg erklärte. Bei einem schönen Haus in der Peripherie hielten wir. Sarah schaute verwundert, als ich ausstieg – “Tobi”, sie habe zwei Mädchen erwartet, gestand sie.

Wir bezahlten die Fahrt und wurden hereingebeten. Auf fünf Räume verteilten sich ein Wohnzimmer, mit Holzkohle Ofen zum Kochen, ein Bad, ein Waschbecken als Küche – draußen, eine Couch und mehrere Betten. Überall schlief jemand. Es war aber auch schon sehr spät. Trotzdem grölte laut ein Fernseher im Hintergrund und von einem anderen Grundstück kam Musik. Ob wir nicht noch etwas zu Essen wollten bejahten wir schüchtern – bescheiden, aber hungrig. Es gab gekochte Bananen und eine Suppe aus Erdnüssen. Zwar war das Gericht etwas trocken, aber wir freuten uns. Nachdem wir aufgegessen hatten, schlichen wir uns in das Zimmer, in welchem wir übernachten sollten und in dem bereits drei Kinder schliefen. So leise wie möglich packten wir alles aus, machten uns bereit fürs Bett und fielen dann schnell in den Schlaf. Das Bett, welches bei der kleinsten Bewegung aufschrie, störte kaum.

Durch unser Fenster fielen ein paar Stunden später die ersten Sonnenstrahlen. Langsam quoll auch wieder der Lärm auf, welcher die Straßen den ganzen Tag füllt. Sarah machte uns Frühstück. Wir spielten währenddem mit den Kindern. Über den ganzen Tag hinweg füllte und leerte sich das Haus mit Menschen. Ein Puls von Freude und Zuneigung, mit unserer Gastgeberin im Zentrum.

Sie organisierte uns auch unsere SIM-Karten, gleich um die Ecke. Ihre Magd begleitete uns verantwortungsbewusst, stellte uns mit einem Zwinkern einem Freund auf der Straße vor und übergab uns dann an den Verkäufer. Sie blieb, bis sie sicher war, dass alles in Ordnung ginge und verließ uns dann, um ein bisschen einkaufen zu gehen. Die SIM zu bekommen dauerte eine ganze Weile. Vermutlich so 10-15 Minuten pro Person. Mit leiser Stimme sowie tiefster seelischer Entspanntheit erklärte uns der Verkäufer, der Bob Marley II hätte sein können, alles ausführlich. Währenddessen kam unsere Begleitung wieder. Doch als sie sah, dass alles lief, verließ sie uns bald darauf wieder – “ sie möge die Sonne überhaupt nicht” – unverständlich, wieso wir um 1 Uhr mittags auf die Straße gingen.

Wir kehrten zum Haus zurück, wo wir auf Sarah warten wollten. Sie hatte uns gesagt, sie könne uns später mit in die Stadt nehmen. Wir hatten besprochen, wo man am besten Hardware kaufen könne. Doch erst müsse sie noch einen Deal abschließen. Der Deal kam aber nicht. Zu dem Zeitpunkt fühlte ich mich jedoch so erschöpft, dass ich mich für eine halbe Stunde zurückzog. Die Hitze war ungewohnt und mein Körper brauchte erst Zeit, sich daran zu gewöhnen. Rebecca machte währenddessen ein Fotoshooting, wozu kräftig gepost wurde. Die Kleinen liebten die Aufmerksamkeit durch uns. So wurde es zur Angewohnheit, dass immer, wenn wir durch das quietschende Hoftor kamen, ein lachend-schreiender Zwerg wie aufgespießt herumhüpfte und uns zuwinkte.

Jetzt aber mal ran an die Arbeit! Immerhin hatten wir ein Ziel. Schon zuvor hatten wir eine kleine Einkaufsliste erstellt, auch die englische Übersetzung dazu rausgesucht und wollten nun per Boda nach Kampala-Nakasero. Die Straßen außerhalb der Autobahn und des Stadtzentrums, trödeln meist am Rand auf und verlaufen sich in kleineren und größeren Abfallresten. Dieser Streifen aus roter Erde zwischen Asphalt und Feld, wird allgemein als Fußweg benutzt. Der Boden war trocken und Staub sammelte sich in meinem Hals, weshalb er sich gereizt anfühlte. Ja Uganda, an dich muss man sich erstmal gewöhnen. Kaum auf der Straße kamen dann auch die Boda-Fahrer und fragten, wohin wir wollten. Nach zaghafter Diskussion einigten wir uns auf 4000 ugandische Schilling pro Fahrer. Wir setzen uns hinten auf und fuhren los. Der Wind fuhr mir ins Gesicht und war eine willkommene Abwechslung zu der ständigen Wärme. Dafür tränten bald die Augen, da so viele Partikel durch die Luft flogen. Weinend schaute ich mich in der Stadtlandschaft um – überall bunte und zugleich triste Läden. Alles stand auf der Straße, da die Läden oft zu klein waren. Menschenmassen bewegten sich entlang der Straßenränder. Es fiel mir schwer, die Stimmung einzuschätzen. Bedrückend? Stolz? Glücklich?

Wir wurden abgesetzt und direkt nahm sich ein Ladenbesitzer uns an. Er wusste wo es einen Septictank gab. Leider war es aber der teuerste, welcher mehr aussah, wie ein modifizierter Wassertank. Wir suchten auf eigene Faust weiter. Die Angebote wurden besser und wir sammelten Telefonnummern ein. Eigentlich war es beeindruckend, vor allem überraschend modern. Das hätte ich nach den Internetrecherchen nicht gedacht. Wir fanden alle Informationen, die wir brauchten. Jetzt wollten wir noch ein bisschen die Stadt sehen. Die Straßen umlagerten den Hügel, auf welchem die Stadt in die Erde stieß. Es gab einfach keinen Ort, an welchem man hätte gut umdrehen können, weil es langweilig wurde. Nur eine Ecke weiter hätte ein noch besseres Angebot sein können. Die Hardware wurde von Kleidung abgelöst, diese von Büchern, von Schuhen, bis sich eine mittelgroße Marktfläche auftat. Das Angebot war klein, aber die Preise waren gut. Begleitet von neugierigen Blicken drangen wir in das Geflecht an improvisierten Standflächen, Plastikplanen und Schlammpfützen ein, in dem Musik dröhnte, Kinder spielten und sich junge Erwachsenen angeregt unterhielten.

Langsam wurden die Füße schwer und der Himmel verdunkelte sich. Deshalb hielten wir den nächsten Boda-Fahrer an, welcher uns entlang der Regengrenze heimfuhr. Mit nassen Haaren mussten wir nur noch den Hügel hinauf, hinter welchem die starke Sonne unterging.

Sarah hatte Besuch. Zwei Künstlerfreunde saßen auf dem Sofa. Welches Thema bietet sich also an? Politik! Wir bekamen einen ganz persönlichen Eindruck davon, was die Leute von der ugandischen Demokratie halten. Die Kinder spielten.

Bevor es Abendessen gab, wollten wir dann noch was fürs Projekt machen. Wir studierten erneut alle Unterlagen und planten die nächsten drei Tage grob durch. Alle Infos wurden nach Deutschland geschickt, alle Optionen zusammengefasst. Abends haben wir zusammengesessen und Zwiebeln geschnitten. Die Bohnen waren den ganzen Tag auf dem Feuer gestanden und Reis war noch von gestern übrig. Wir lernten mit der Hand zu essen, saßen auf dem Boden, die Kinder hungrig. Dann gingen wir bald schlafen.

Am nächsten Morgen standen wir etwas unter Zeitdruck, da wir das Angebot erhalten hatten mit Father Thomas, unserem früheren Projektpartner und Vorgänger von Father Robert, nach Iyolwa zu fahren. Er kam aus Rom und war in der Frühe gelandet. Also verabschiedeten wir uns eilig und machten uns auf für die letzten Erledigungen.

Father Thomas hatte uns eine Adresse gegeben, der Plan war nun mit den Bodas in die Stadt zu fahren und anschließend zum gemeinsamen Treffpunkt zu laufen. In der Reisevorbereitung hatte man uns schon vorbereitet darauf zu achten stets Blickkontakt zu halten, sollten wir zwei Fahrer haben – mit den Riesenrucksäcken gab es keine andere Option. Also drehte ich mich ständig um, doch plötzlich war Rebecca weg. Ihr Fahrer war an uns vorbeigefahren und hatte sie ein paar Ecken weiter abgesetzt. Motzend verlangte er Geld. Mein Fahrer versuchte unterdessen erregt den Kontakt herzustellen. “Festhalten!” Wir fuhren wieder los. Die anderen Boda-Fahrer wussten, was wir suchten und winkten uns in die richtige Richtung. Erleichterung! Am indischen Tempel trafen wir uns wieder, ich beglich meine Rechnung. Wir erledigten, wofür wir gekommen waren und liefen dann Richtung Westen. Die Sonne war heiß und so machten wir an einer Tankstelle eine Trinkpause. Die hohen Mauern der Stadt lösten sich langsam auf und eine Promenade umschloss die Straße und spendete wohltuenden Schatten. Wir kauften ein paar Bananen, verschenkten ein paar Tomaten und brachen wieder auf. Senkrechte Hitze prasselte auf meinen nun doch sonnenverbrannten Nacken. Nach zwanzig Minuten ging es bergab und wir waren da. Wenige Minuten später kam Father Thomas. Er schüttelt uns freundlich die Hand, der Fahrer half uns mit dem Gepäck. Was für ein Luxus – ein Privattaxi! Wir fuhren los, der Verkehr war eine Katastrophe. Es gab keine Straßenseite, manchmal nicht mal eine Straße. Das Auto schaukelte und donnerte – maximale Geschwindigkeit 30 km/h. Die Gebäude wurden flacher, mehr Grün füllte die Aussicht. Dann bogen wir in eine Abkürzung, mitten durchs Dorf. “Put up the windows” bat der Fahrer, da die Autos vor uns roten Staub aufwirbelten, welcher sich gerne in die Kleider und Sitze setzt.

Rebecca schlief trotz des Gewackels ein. Ich schaute auf die Häuser, Menschen, Straßen und versuchte zu sehen. Als wir durch Jinja fuhren, waren die Straßen breit. Es roch nach Hühnern, verbranntem Öl, Erde. Langsam wurde es auch leerer.  Seitlich der Straße kamen dann ein paar Reihen Häuser, später Felder und Wälder. Es wird Eukalyptus für die Holzindustrie gepflanzt und Zuckerrohr. Beides zerstöre auf Dauer den Boden, sagte uns Father Thomas, aber es sichert den Menschen auch ihre tägliche Mahlzeit.

Sirenen, der Konvoi des Präsidenten rollte an uns vorbei. Wir hielten an. Wenig später erneut, weil Affen am Wegrand saßen. Auch zeigte uns Thomas stolz die Teefelder Ugandas, mit subtilem Verweis auf sein Heimatland Indien. Wenig später bogen wir in einen Feldweg ein, die “Iyolwaroad”. Räder und Esel kamen uns entgegen, knatternde Motorräder überholten uns. Wir fuhren langsamer, mit heruntergelassenen Fensterm, um die Menschen zu grüßen. Einige erkannten Thomas und kamen zum Auto. Er jubelte vor Freude auf. Dann erneut, für uns ohne ersichtlichen Grund, wurde er lauter und präsentierte stolz: “Das ist unsere Schule.”

Wir waren endlich da, bezogen unser eigenes kleines Zimmer und eine genossen eine kalte Dusche. Um acht waren wir zum gemeinsamen Abendessen verabredet, bis dahin waren wir spazieren. Neugierig, aber distanziert umkreisten uns die Schüler des Internats. Wir schauten uns hobbyfachmännisch, in ausgelassener Stimmung, die Architekturen an. Auf dem Weg trauten sich dann doch einige Schüler näher und eine Lehrerin streckte begrüßend die Hand aus. Bei der Multipurpose Hall angekommen, zog uns eine Versammlung von Schülern ins Innere. Mehr als 700 Kinder saßen, beinahe militärisch aufgereiht und genossen die klassenübergreifende Unterrichtseinheit. Dann tippte mich jemand an und forderte uns auf, mitzukommen. “Abendbrot” zwinkerte uns Steven zu. So lernten wir Robert kennen.

Mein Wecker klingelte am ersten Morgen in Iyolwa und ich griff durch den Mückenvorhang, um ihn auszuschalten. Das Moskitonetz ist vermutlich das nervigste Teil, an welches ich mich bei dieser Reise gewöhnen muss. An zweiter Stelle stehen die Kakerlaken im Bad.

Es war früh, da wir zur Messe wollten. Father Thomas wartete beim Auto auf uns und wir fuhren zur im Bau befindlichen Kirche. Der Gottesdienst wurde draußen unter den jungen Bäumen abgehalten. Die Stimmung war intensiv. Viele hundert Augen schauten auf Thomas und auf uns. Mit dem letzten Gebet entlud sich die Spannung und viele Hände streckten sich uns entgegen. Wir, beinahe ein bisschen überfordert, machten Bilder und lösten uns langsam aus der Gruppe. Father Thomas sammelte uns auf und fuhr mit uns zurück zur Schule. Wir waren in Anfangen-Stimmung. Zunächst sortierten wir das Lager und machten eine Inventur. Anschließend nahmen wir den Bau ab. Die Mauern sind solide geworden und der Dachstuhl gut ausgesteift und kräftig. Beim Maßnehmen schwitzte ich wie in der Sauna. Aber alles sah gut aus, sodass wir unserem Zeitplan folgen können.

Dann brach wie aus dem Nichts der Himmel los. Es war aussichtslos, trocken zu bleiben. Schon nach zwei Metern war alles durch und triefend erreichte ich das Zimmer. Hier hatten wir direkt unseren ersten Stromausfall, da jemand das Öl der Stromgewinnung gestohlen hatte. Wasser lief auch nicht, weil kein Strom. Notstrom gab es erst wieder nach dem Gewitter. Also arbeiten wir drinnen weiter und legten im Schein der Taschenlampe eine detaillierte Einkaufsliste an. Unerwartet rief Thomas von draußen. Wir hatten den Termin für das gemeinsame Abendbrot vor lauter Aufregung ganz vergessen. Im Blau der letzten Stunde des Tages fuhren wir zur Kirche, wo es ein vielfältiges Angebot aus der afrikanischen und indischen Küche gab und der erste Abend in Iyolwa zu Ende ging.

1 Kommentar


  1. Toller Blogeintrag, ich freue mich schon auf die nächsten Wochen!

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