Iyolwa – Water & Health Unterstützung für ein Schulzentrum in Uganda
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Status

Laufend

Begonnen

April 2015

Mitgliederzahl

30

Land

Uganda

Ort

Iyolwa

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Status

Laufend

Begonnen

April 2015

Mitgliederzahl

30

Land

Uganda

Ort

Iyolwa

In Uganda ist gerade auch alles etwas anders als normal. Wir haben jetzt mal unseren Projektpartner Robert Raj zur aktuellen Lage in Uganda befragt.

In einer Welt ohne das Corona-Virus wäre die Krankenstation inzwischen wohl schon bezugsfertig – vorausgesetzt die Bauarbeiten im Frühjahr wären nach Plan verlaufen. Stattdessen musste unser Reiseteam im März nach wenigen Tagen die Arbeiten in Iyolwa abbrechen und nach Deutschland zurückkehren.

Seitdem hat sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in Uganda der Alltag tiefgreifend verändert. Die Regierung um Präsident Museveni hat eine Vielzahl von Maßnahmen getroffen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. So wurden beispielsweise auch hier Kontaktbeschränkungen verhängt, der Personenverkehr wurde drastisch eingeschränkt und Geschäfte (außer Lebensmittelläden) durften nicht öffnen. Einen Tag nach unserer Abreise mussten außerdem alle Bildungseinrichtungen, also auch die Schule unseres Projektpartners Robert Raj, schließen.


Vorletztes Wochenende haben wir mit ihm darüber gesprochen, wie er den seit über 6 Wochen andauernden Shutdown und insbesondere die Zeit an der Schule ohne Schüler erlebt.

Am 20. März, kurz nach unserer Rückkehr nach Deutschland, gab es den ersten COVID-19-Fall in Uganda. Gibt es inzwischen auch bekannte Fälle in der Gemeinde Iyolwa?

In der Gemeinde selbst gibt es bisher keinen bekannten Fall. In Uganda sind insgesamt 205 Fälle bekannt, 55 davon sind inzwischen wieder gesund. Die meisten der positiv gemeldeten Fälle sind Lastwagen-Fahrer aus Nachbarländern, die beim Grenzübergang nach Uganda getestet werden. Dort hat die Regierung Teststationen eingerichtet. In Iyolwa wird nicht getestet. Ich kenne aber auch keinen Fall, in dem jemand die Symptome von COVID-19 gehabt hätte.

Wenn jemand in Iyolwa den Verdacht hätte das Virus zu haben, wo könnte er sich testen lassen?

Es gibt spezielle Einsatzkräfte für die Pandemie, an die man sich wenden kann. Wenn jemand Symptome hat, sollte er sich zuallererst isolieren, um niemanden anzustecken. Zur Testung gibt es für jede Region ausgewählte Krankenhäuser, die entsprechend ausgestattet sind. Beispielsweise in Mbale, Jinja oder Entebbe. Die Kosten für die Tests werden von der Regierung übernommen.

In Deutschland müssen besonders schwere Fälle künstlich beatmet werden. Ist das auch in Uganda möglich?

Grundsätzlich ja. In Uganda gibt es etwa 100 Beatmungsgeräte. Allerdings müsste deren Einsatz von den Patienten selbst gezahlt werden. Das würden sich viele Menschen sicherlich nicht leisten können.

Wie beeinflussen die Maßnahmen der Regierung das Leben der Menschen in Iyolwa? Haben die Menschen wirtschaftliche Probleme aufgrund des Shutdowns?

Der öffentliche und private Verkehr ist stark eingeschränkt. Es dürfen keine Matatus [öffentliche Minibusse] fahren und Boda-Bodas [Mopeds, die als Taxis verwendet werden] dürfen nur von Einzelpersonen benutzt werden. Das ist besonders für Familien ein Problem, die ihren Lebensunterhalt aus Bus-, Taxi oder Boda-Boda-Fahrten beziehen. Das trifft die Menschen in den Städten wie Kampala härter als die Menschen auf dem Land. In Iyolwa leben die Menschen überwiegend von der Landwirtschaft und können sich selbst mit Lebensmitteln versorgen. Sie werden daher wirtschaftlich nicht so stark von den Maßnahmen getroffen.

Die Schule ist seit fast 2 Monaten geschlossen. Wie beurteilst du die von der Regierung veranlassten Schulschließungen?

Die Maßnahme ist wichtig, um die Schüler zu schützen. Außerdem würden viele Eltern den Schulen die Schuld geben, die Schüler der Infektionsgefahr auszusetzen, wenn die Regierung die Maßnahme nicht getroffen hätte.
Da jedoch keine Schüler mehr an die Schule kommen, fehlen uns die Einnahmen aus den Schulgebühren. Daher können wir unseren Lehrer momentan kein Gehalt zahlen. Die Situation der Lehrer ist schwierig. Wir versorgen sie derzeit mit Lebensmitteln, weil sie sich aufgrund der fehlenden Einnahmen nicht selbst versorgen können.

 

 

Wie geht ihr mit der Situation an der Schule um?

Wir versuchen dem entstandenen Lernrückstand der Schüler zu entgegenzuwirken, indem wir Arbeitsmaterialien an der Schule ausdrucken und sie unter den Schülern, die in Iyolwa und Umgebung leben, zu verteilen. Die Schüler können auch selbst an die Schule kommen und sich die Materialien abholen.

Trefft ihr aktuell Maßnahmen für den Fall, dass die Schulen bald wieder öffnen dürfen?

Wir erwarten, dass es Vorgaben der Regierung geben wird, sobald die Schulen wieder öffnen dürfen. So könnte es z.B. sein, dass die Temperatur der Schüler vor Betreten des Schulgeländes gemessen werden muss. Oder es könnte Beschränkungen geben, wer das Schulgelände betreten oder verlassen darf.

Erwartest du, dass alle Schüler an die Schule zurückkehren würden?

Klar, die Schüler sind müde vom Daheimsein und warten nur darauf an die Schule zurückzukehren!

Glaubst du, dass sich alle die Schulgebühren nach wie vor leisten können?

Es kann sein, dass ihre Eltern in einigen Fällen nicht mehr in der Lage sein werden für die Schule aufzukommen. Das könnte dann ein Problem sein, wenn sie von Berufen leben, denen sie momentan nicht nachgehen können.

Wann denkst du, dass wir wieder nach Iyolwa kommen können?

Das hängt vollkommen von den Entscheidungen des Präsidenten ab. Die Flughäfen und Grenzen sind nach wie vor geschlossen. Wir können momentan kaum sagen, was morgen geschehen wird.

Zum Abschluss noch eine Frage. Bist du für die nächsten Monate eher optimistisch oder pessimistisch gestimmt?

Ich denke, die Situation bessert sich. Es ist gut, dass an den Grenzen zu den stärker betroffenen Nachbarländern viel getestet wird. Aber natürlich wissen wir nicht, wie sich die Dinge entwickeln werden.


Am Dienstag nach unserem Gespräch mit Robert hat der Präsident verkündet, dass die Verkehrsbeschränkungen ab dem 26. Mai gelockert werden sollen. Am 4. Juni soll zudem ein Plan vorgelegt werden, wie Abschlussklassen wieder die Schule besuchen können.

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