Seit wenigen Tagen sind wir als sechsköpfiges EWB-Team in Kyamulibwa, Uganda, angekommen, wo wir gemeinsam mit unseren Partner:innen, der Projekthilfe Uganda e.V. und dem Kyamulibwa Technical Institute, vor Ort an einem Skilling Center für den Ausbildungsberuf des/der Schneider:in arbeiten. Nach vielen Monaten der Vorbereitung ist es ein besonderes Gefühl, endlich hier zu sein – nicht mehr nur mit Plänen und Telefonkonferenzen, sondern direkt auf dem Gelände und im Austausch mit den Menschen, mit denen wir dieses Projekt gemeinsam umsetzen.
Nach dem Nachtflug kamen wir müde, aber erleichtert in Entebbe an. Das Beladen des Autos wurde dabei direkt zur ersten kleinen Tetrisaufgabe, denn acht Personen mussten im Fahrzeug untergebracht werden, während das viele Gepäck teils im Auto und teils auf dem Dach verstaut wurde. Nach einer langen Fahrt mit Zwischenstopp am Äquator erreichten wir schließlich Kyamulibwa, richteten uns im Guesthouse ein und machten erste Bekanntschaften. Josephine Namyaalo und Aggie Malaika zeigten uns unsere Zimmer und hießen uns freundlich willkommen. Da sie während unseres Aufenthalts auch für uns kochen werden, hatten wir direkt viel Kontakt und verstanden uns gleich gut. Auch Robert Bbaale von der Projekthilfe Uganda, den einige von uns schon aus Deutschland und aus Telefonaten kannten, begrüßte uns sehr freundlich. So war es nach der langen Reise ein angenehmer Start in Kyamulibwa.

Noch am selben Tag besuchten wir das Gelände, auf dem in den kommenden Wochen gebaut werden soll. Viel zu sehen ist dort bisher noch nicht – vor allem die Fläche, auf der das Skilling Center entstehen wird. Gleichzeitig wurde schnell klar, wie wichtig die ersten Tage für Abstimmungen, Vermessung, Baustelleneinrichtung und Organisation sein würden.
Am Palmsonntag nahmen wir am Vormittag an der Messe teil. Sie wurde auf Luganda gehalten und war eine besondere und schöne Erfahrung. Danach standen bereits die nächsten wichtigen Gespräche an: Gemeinsam mit Vicent Matovu, dem Ingenieur vor Ort, Robert Bbaale von der Projekthilfe Uganda, dem Schulleiter sowie einigen Berufsschullehrern haben wir einzelne Punkte der Planung noch einmal aufgegriffen, angepasst und für die Umsetzung konkretisiert. Diese Abstimmungen schaffen ein gemeinsames Verständnis und stärken die Zusammenarbeit.

Ein besonderer Moment war für uns der offizielle Projektauftakt mit der Schulleitung Akasius Ssekanjako, den Lehrkräften und den Schüler:innen des KTI. Eigentlich hatten wir mit einigen Lehrkräften und einer Schulklasse gerechnet – am Ende war der Raum mit über 100 Interessierten gefüllt. Im anschließenden Workshop konnten die Auszubildenden dann selbst Entwürfe für das Skilling Center erarbeiten. Die große Beteiligung und das sichtbare Interesse haben uns sehr beeindruckt.
Wie konkret die Zusammenarbeit werden kann, zeigte sich auch bei den Besuchen in den Ausbildungsräumen. Wir bekamen Einblicke in die Werkstätten der Schlosser:innen und Tischler:innen, die uns später bei der Umsetzung unterstützen werden – die Schlosser:innen bei der Bewehrung, die Tischler:innen bei der Schalung.

Neben den sichtbaren Aufgaben auf dem Gelände gab es auch viel Arbeit, die man auf Fotos kaum erkennt: Gespräche, Abstimmungen, Berichte, Organisation, Materialbeschaffung und die Einrichtung unseres Werkzeuglagers. Gerade diese Arbeit im Hintergrund ist entscheidend, damit die nächsten Schritte gut vorbereitet sind.
Zur Wochenmitte führte uns die Arbeit für eine Übernachtung nach Kampala. Dort hatten wir die Gelegenheit, unser Projekt in der deutschen Botschaft vorzustellen. Das Feedback hat uns besonders darin bestärkt, die Zusammenarbeit mit Auszubildenden und lokalen Partner:innen in den Mittelpunkt zu stellen. Anschließend teilten wir uns auf und fuhren jeweils mit den Boda-Boda-Motorradtaxis weiter zu unseren Zielen: Während ein Teil der Gruppe Besorgungen in der Market Street erledigte, besuchte die andere Gruppe die Tailors Association, um bestehende Kontakte zu pflegen und ein Interview zu führen. Die Tailors Association ist ein lokaler Zusammenschluss von Schneider:innen, mit dem wir schon länger in Verbindung stehen.

Neben all den fachlichen Terminen gab es in dieser ersten Woche auch viele persönliche Eindrücke: gemeinsames Essen, neue Abläufe, erste Einblicke in die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort, Fußball mit den Schüler:innen und lange Gespräche am Abend. So wachsen wir nicht nur fachlich, sondern auch als Team weiter zusammen – und zugleich auch mit der lokalen Community, mit der wir dieses Projekt gemeinsam gestalten.
Zum Ende der Woche wurde es dann erstmals sichtbar konkret: Der erste Spatenstich ist gesetzt, es wurde gebaggert und die ersten Materiallieferungen für den Beton wurden angeliefert. Damit beginnt nun der Übergang von der Vorbereitung in die Umsetzung. Nach Anreise, Kennenlernen, Gesprächen und Vermessung wird das Projekt nun Schritt für Schritt Realität.
