Lankaponics Aquakultur & Hydroponik
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Status

Laufend

Begonnen

Januar 2017

Mitgliederzahl

35

Land

Sri Lanka

Ort

Padiyatalawa

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Status

Laufend

Begonnen

Januar 2017

Mitgliederzahl

35

Land

Sri Lanka

Ort

Padiyatalawa

Erzählungen eines Langzeit EWB-Mitglieds, das erste Mal in Sri Lanka und am Projektort.
Ein langjähriges Projektmitglied berichtet von seinen ersten Eindrücken und Empfindungen in Sri Lanka und was die Gruppe in den ersten Tagen der Erkundungsreise alles erlebt hat.
Vom Verkehrschaos in Colombo bis hin zu Krokodilen!

Schwüle Hitze, lärmendes Verkehrschaos, welches simultan geregelt und vollkommen willkürlich erscheint und Menschen, die einem interessierte Blicke zuwerfen. Hatte ich nicht eben noch im Flugzeug gesessen und im Halbschlaf den neuesten Marvel Film geschaut? Jetzt finde ich mich in einem Bus wieder, eingequetscht zwischen einer Frau deren Kopf auf meiner Schulter ruht und dem Fenster. Vor mir der Berg Rucksäcke und Taschen, die Annika, Sebastian und ich mit uns führen.

Nach der Ankunft geht alles vergleichsweise schnell. Visum ausfüllen, im Dutyfree Shop noch ein paar Leckereien kaufen, Geld abheben, Sim Karte kaufen und raus auf den Vorplatz. Rein in den Bus und raus aus der feuchten Hitze.

Ab auf die Autobahn und wenig später rein in den halsbrecherischen Verkehr Sri Lankas. Busse scheinen die Alphatiere dieser Straßen zu sein. Es wird überholt, rechts, links oder einfach durch die Mitte. Ein Hupen scheint hier alles zu legitimieren. Hupen bedeutet hier also: „Bitte, Danke, Achtung, Lass mich durch!“, ich bin mir teils selbst nicht so ganz sicher wer hier wegen was hupt. Doch so willkürlich und gefährlich wie es erscheint ist es nicht. Die Menschen nehmen trotz ihrer rasanten Fahrweise aufeinander Rücksicht. Ich verstehe aber auch wo die schwindelerregend hohe Zahl an Verkehrsunfällen in dieser Stadt herkommt. Überwältigt von Müdigkeit und neuen Eindrücken schließe ich alsbald die Augen und döse im Halbschlaf vor mich hin, das Konzert aus Hupen, Menschen und viel zu lauter Musik immerwährend im Ohr.

Als ich wieder aufwache befinden wir uns im Herzen von Colombo. Ich schaue aus dem Fenster und erblicke einen Markt, auf welchem sich Stand an Stand reiht. Manche nur so breit wie die Person die darin arbeitet. Taschen, Gemüse, Handys, Teigspezialitäten, Kunst, Tontöpfe, Souvenirs. Hier wird wirklich alles verkauft. Die Orientierung habe ich schon lange verloren aber bald kommen wir am Busbahnhof an und steigen aus. Hier scheint Endstation zu sein. Jetzt stehen wir da, unschlüssig wie es weiter gehen soll. Wir müssen zum Department of Immigration, Visum verlängern. Ein TukTuk Fahrer kommt auf uns zu und will wissen wo wir herkommen und wo wir hinwollen. Wir feilschen ein wenig mit ihm um den Preis und einigen uns nach kurzer Zeit. Immer noch viel zu teuer, darüber sind wir uns einig, aber wir sind müde und wollen den Tag hinter uns bringen. Also los. Zurück in das Chaos des Colombo Verkehrs. Als wir ankommen, sitzt mein Herz um einiges tiefer und schlägt wesentlich schneller. Der Verkehr hier macht einen wirklich fertig

Jetzt rein ins Department of Immigration, Visum verlängern und dann schnell weiter. Unser Ziel ist das Haus unseres Projektpartners Janaka, der in Padukka wohnt, etwa eine Stunde Busfahrt östlich von Colombo. Über Google Maps suchen wir uns eine Verbindung raus und gehen aus dem Gebäude raus. Die Bushaltestelle sollte vorne rechts an der Straße sein, doch da ist nichts. Wir suchen, doch finden kein Schild oder sonst einen Hinweis, der uns verraten würde, wo der Bus hält. Kurz darauf sehen wir ihn durch den Verkehr ankommen und spontan winke ich ihm zu. Der Bus fährt an die Seite, wir steigen ein, und weiter geht’s. Aha. So geht das hier also. Und da finde ich mich jetzt wieder. Den Kopf der Frau neben mir auf der Schulter, meinen eigenen gegen das Fenster gelehnt, die Rucksäcke zwischen den Beinen. Hunger und Durst überkommen mich und ich frage Annika nach dem Beutel mit Essen. Ich nehme mir eine der Teigtaschen heraus und beiße beherzigt rein. Tränen!  Annika und Sebastian schauen zu mir herüber und grinsen mich an. Sie waren schon mal hier, sie wissen was los ist. Scharfes Essen war nie mein Ding, aber hier werde ich wohl wenig Wahl haben. Also esse ich weiter. Bald darauf fallen mir die Augen zu und ich döse wieder einmal zu der klangvollen Melodie des Straßenlebens von Colombo vor mich hin.

Als ich wieder aufwache ist es dunkel geworden. Es regnet. Ich schaue auf mein Telefon und merke, dass wir bald aussteigen müssen. Ich ziehe an einem Seil, welches unter der Decke verläuft, vorne läutet eine Klingel und der Busfahrer drückt auf die Bremse.

Schon stapfen wir mit unserem Gepäck an der Straße entlang durch den Regen und rufen Janaka an. Kurz darauf stehen sie da: Janaka und Manyl. Unsere Stimmung bessert sich und es gibt ein großes Hallo, man hat sich ja schon lange nicht mehr gesehen. Manyl seit 10 Tagen, Janaka seit über einem Jahr. Wir werden mit Kottu, ein Gericht aus kleingehacktem Pfannkuchen mit Gemüse und Ei begrüßt. Gegessen wird hier natürlich mit den Fingern. So ungewohnt wie es am Anfang auch ist, ich gewöhne mich daran und eigentlich ist es ja auch viel einfacher so zu essen. Nach dem Essen sitzen wir noch beieinander und plaudern. Über Sri Lanka, über Deutschland, über Essen und Trinken, Musik und Filme, über Arbeit und Freizeit, bis wir uns irgendwann übermüdet auf unserem Matratzenlager schlafen legen.

8:00h. Blinzelnd wache ich auf. Um mich herum schlafen noch alle. Nach einer ausgedehnten Dusche setze ich mich raus auf den Balkon und lese ein wenig. Schon jetzt knallt die Sonne, es wird merklich wärmer und der Beton der Balustrade ist schon unangenehm heiß. Als die anderen wach werden gibt es erstmal Frühstück. Rührei und Marmelade auf Toastbrot. Nichts Scharfes dabei.

Wir haben schon aus Deutschland Termine vereinbart, um hier Leute und Organisationen zu treffen und Informationen zu sammeln. Darum geht es bei dieser Reise: Eine Erkundungsreise, keine Bauphase. Die Termine haben wir uns gleich in die erste Woche gelegt, um die Zeit in Colombo zu nutzen, bevor es zu unserem Projektstandort Padiyathalawa im Landesinneren geht. Dementsprechend steht heute schon der erste Termin an: Ein Treffen mit Zafi.

Das Gespräch mit Zafi verläuft gut. Er zeigt uns Bilder von seiner ersten eigenen Aquaponicanlage. Er erklärt uns, dass er Kois gezüchtet hat, beschreibt sein Filter und Lüftungssystem und wir packen alle Technik- und Businessfragen aus, die wir haben. Wir gehen zuversichtlich aus dem Gespräch, gewappnet mit neuen Informationen, die es jetzt zu recherchieren gilt. Vor der Rückfahrt gehen wir noch in Colombo essen. Sri Lankisch. Wieder Scharf, wieder Tränen. Danach geht es mit dem Bus nach Hause und ab ins Bett.

Am nächsten Morgen ist ein ähnliches Programm angesagt: Aufstehen, Frühstück, ab ins Taxi, auf nach Colombo. Gespräch mit einem Agrikultur Professor. Wieder informativ. Doch anstatt eines Interviews, wie erwartet, erhalten wir eine Vorlesung. Es geht um Probleme beim Anbau, Überdosierung von Pflanzenschutzmitteln, Soziale Probleme, alternativ anbaubare Pflanzen. Das Telefon klingelt und Ravith, ein Bekannter aus der letzten Bauphase, erzählt von einer Technikmesse in Colombo. Also auf in die Innenstadt. Vor Ort treffen wir nun endlich auf Aaron, der sonnengebräunt und sehr entspannt auf uns wartet. Am Vorabend ist er aus dem Urlaub gekommen. Nach einer großen Begrüßung und gegenseitigem auf den neusten Stand bringen gehen wir auf die Messe. Treffen Firmen und stellen unser Projekt vor.

Am dritten Tag gehen Annika und ich einkaufen. Wir sind auf der Suche nach Brot, Gemüse und natürlich nach Kokosnüssen. Annika schnappt sich einen Rucksack, ich greif mir meine Kamera und wir begeben uns zu Fuß auf Erkundungstour. Wir kommen zu einer Brücke, ich habe mich gerade in ein Haus am anderen Ufer verguckt und bleibe stehen, um die Szene abzulichten, da ruft Annika mir zu. Stumm zeigt sie aufs Wasser; ihre Augen spiegeln Ungläubigkeit. Ich verstehe nicht ganz was Sache ist und schaue hinab auf das Wasser. Man erkennt die Felsen im Wasser und abgehoben davon schwimmt ein schwarzer Umriss. Ein Krokodil, daran besteht kein Zweifel. In freier Wildbahn. So schnell ich kann habe ich die Kamera auf Anschlag, drücke so oft ab wie ich nur kann. Doch das Krokodil verschwindet hinter einem ins Wasser hängenden Baum. Annika und ich schauen uns an, nicht ganz begreifend, keine 300m vom Stadtzentrum entfernt dieses Krokodil gesehen zu haben. Bestimmt fünf Minuten beraten wir und laufen ans gegenüberliegende Ufer, um zu schauen ob wir es nochmal entdecken. Als wir dort stehen und das Wasser um den Baum scannen hält hinter uns ein kleiner Lastwagen an. Ein Mann steigt aus, schenkt Annika eine kleine Buddha Statue und möchte ein Foto mit ihr machen. Danach fragt er uns wo wir herkommen, wie uns Sri Lanka gefällt und verabschiedet sich dann wieder. Verwundert lachen wir über die Situation, verpacken unseren Buddha vorsichtig im Rucksack und gehen einkaufen. Wir werden ihn ein paar Tage später in unserem eigenen Auto anbringen.

Den Rest des Tages verbringen wir mit Organisation, bis nachmittags Sabrina und Moritz zu uns stoßen. Somit ist unsere Gruppe komplett.

Am morgen darauf verabschieden sich Annika, Manyl und Sebastian nach Padiyathalawa, um das Haus zu beziehen und Vorbereitungen vor Ort zu treffen. Der Rest von uns bleibt noch ein paar Tage in Colombo. Die nächsten Tage sehen immer recht gleich aus.  Moritz und Aaron fahren nach Colombo, treffen Organisationen, reden mit Leuten, sammeln Informationen zu vergleichbaren Projekten. Währenddessen sitzen Sabrina und ich bei Janaka Zuhause und recherchieren über Brunnen. Ein Thema welches seit unserer letzten Reise zu einem Problem geworden ist. Ich suche nach Informationen zu Brunnentechnik, Brunnenfirmen aus Sri Lanka, rufe Leute an, schreibe E-mails. Es steht viel Schreibtischarbeit an, wenn auch bei bestem tropischem Wetter.

 

Viele Grüße aus Sri Lanka,

Euer Lankaponics Team!

 

 

 

 

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