Lankaponics Aquakultur & Hydroponik
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Status

Abgebrochen

Begonnen

Juni 2017

Beendet

Juni 2020

Mitgliederzahl

47

Land

Sri Lanka

Ort

Padiyathalawa

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Status

Abgebrochen

Begonnen

Juni 2017

Beendet

Juni 2020

Mitgliederzahl

47

Land

Sri Lanka

Ort

Padiyathalawa

Es gab einiges zu tun in den letzten Tagen in Sri Lanka. Vom Zurückdrängen des Dschungels über selbst gebastelte Videosonden und geoelektrischen Untersuchungen bis zu geilen Bratkartoffeln war alles dabei.

Ein neuer Tag in Padiyathalawa und auf geht’s zur Baustelle. Drei Jahre bin ich jetzt bei EWB, ohne in Sri Lanka gewesen zu sein und heute ist der Tag, an dem ich endlich die Umsetzung zu sehen bekomme. Angekommen auf der Baustelle, blicke ich auf Grün. In dem Jahr seit der Bauphase 2018 hat die Natur die Baustelle zurückerobert. Neue sechs Meter hohe Bäume wachsen direkt neben den Gebäuden, Pflanzen überwuchern das Greenhouse und verstopfen dessen Regenrinnen. Gemeinsam mit sri-lankischen Helfern, werden wir den Urwald mit großen Sicheln und Macheten in den nächsten Tagen wieder zurückdrängen. Da gerade Regenzeit ist, regnet es außerdem jeden Tag ziemlich zuverlässig zur Mittagszeit in einer Stärke, die ich in Deutschland noch nie erlebt habe. Kein Wunder, dass hier alles so zugewachsen ist.

Damit wir uns in der kurzen Zeit vor Ort voll auf das Projekt konzentrieren können, sind wir mittags bei Mala in der Nähe der Baustelle zum Essen und abends kocht eine Nachbarin für uns. Somit bekommen wir die verschiedensten Arten von Curry und Reis zu probieren. Dabei darf auch eine große Portion Papadam nicht fehlen.

In den folgenden Tagen gibt es viel Organisatorisches zu klären. Termine müssen vereinbart und unter einen Hut gebracht werden. Jeden Tag werden in der Gruppe neu gewonnene Informationen besprochen und das weitere Vorgehen diskutiert. So vergehen ein paar Tage mit Telefonaten, E-Mails schreiben und langen Besprechungen. Doch Recherche und Organisationsarbeit, welche noch vor ein paar Tagen in Colombo so einfach erschienen, sind hier eine Qual. Unser Haus liegt zwar nur knapp eine Viertelstunde Fahrt von der Stadt Padiyathalawa entfernt, aber das reicht, um uns kommunikationstechnisch komplett zu isolieren. Eher erleben wir einen Tag ohne Regen, als dass man zuverlässig Internetempfang hat. Was nicht heißen soll, dass wir hier gar keinen Empfang haben, aber er scheint Heisenbergs Unschärferelation zu gehorchen.

Nach ein paar Tagen stehen dann für mich das erste Mal Arbeiten auf der Baustelle an. Da nach der Bauphase im letzten Jahr noch Unklarheiten bezüglich des Aufbaus und der Geologie des Tiefbrunnens geblieben sind, wollen wir jetzt vor Ort Licht ins Dunkel bringen. Dies soll uns dabei helfen, Antworten auf die Frage zu finden, warum der Brunnen in der Trockenzeit nicht ausreichend Wasser für die Aquaponikanlage liefert. Dafür wollen wir eine Videosonde in den Brunnen lassen, um Innenaufnahmen zu machen. Das Problem dabei: Keiner von uns besitzt eine Videosonde. Eine GoPro soll daher als Ersatz dienen. Wir befestigen die GoPro und eine Taschenlampe am Ende eines Maßbands. Da die Lampe nicht wasserdicht ist, packen wir sie in Moritz’ Wasserflasche und füllen diese mit Steinen auf, um der Auftriebskraft entgegen zu wirken. Trotz aller vorherigen Zweifel bekommen wir nach ein paar Versuchen erstklassige Aufnahmen vom Inneren des Tiefbrunnens, sodass Experten, denen wir die Videos später zeigen, erstaunt von der Qualität der Aufnahmen sind.

Neben der Arbeit am Brunnen gab es auch noch weitere Aufgaben. Um auf der Baustelle Strom zu haben, muss die von Tieren an manchen Stellen zerstörte Stromversorgung im Mehrzweckgebäude wiederhergestellt werden: Dieses Mal besser abgesichert gegen die kleinen Nager. Mit dem wiederhergestellten Strom kann dann auch der Rostschutz von Greenhouse und Aquashed erneuert werden. Die Stahlträger müssen an manchen Stellen erst leicht abgeschliffen und anschließend mit neuer Rostschutzfarbe angepinselt werden, um zu verhindern, dass die ersten Anzeichen von Rost sich weiter ausbreiten. Außerdem flicken wir kleinere Löcher in der Folie des Greenhouse und die Regenrinne wird vom Laub des inzwischen entfernten Urwalds befreit.

Über die Arbeiten auf der Baustelle hinaus treffen wir uns mit alten Kontakten in der Region, um sie auf den neuesten Stand des Projekts zu bringen und uns bezüglich der Probleme im Projekt über mögliche Lösungsmöglichkeiten auszutauschen. Gleichzeitig verabreden wir uns auch zum ersten Mal mit dem Chef der Brunnenbaufirma, mit der wir in Zukunft zusammenarbeiten wollen. Zusammen begutachten wir den in der Bauphase 2018 gebohrten Brunnen, schauen uns die mit der selbstgebastelten Videosonde erstellten Aufnahmen an und besprechen das weitere Vorgehen.

Schon ist die Hälfte unserer vierwöchigen Reise vorüber. Um den Blick auf das große Ganze nicht zu verlieren, nehmen wir für ein paar Tage Abstand von Padiyathalawa und fahren ins knapp 100 km entfernte Batticaloa ans Meer. Während wir morgens den Strand trotz Regenwetter genießen, setzen wir uns nachmittags zusammen, rekapitulieren die letzten zwei Wochen, reden über die Ziele für die verbleibende Zeit und planen die nächsten zwei Wochen. Schnell merken wir, dass uns noch viel bevorsteht.

Zurück im Projektort steht vor allem ein Thema im Vordergrund: Die Wasserversorgung der Anlage. Die Brunnenbaufirma hat einen Geologen geschickt, um das Grundstück geoelektrisch zu untersuchen. Damit wollen wir Klarheit schaffen, ob unter dem Grundstück genügend Tiefenwasser vorhanden ist, welches im Gegensatz zum oberflächennahen Grundwasser auch in der Trockenzeit zur Verfügung steht.

Nach einigen Tagen bekommen wir eine erste Einschätzung seitens des Geologen, laut derer es leider nicht so aussieht, als könnte ein Tiefbrunnen auf dem Grundstück, auch wenn wir tiefer bohren, ausreichend Wasser für die Aquaponikanlage liefern. Noch ist das aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Das abschließende Gutachten und der Abgleich mit der Einschätzung deutscher Experten zu den Messungen sollen endgültig Aufschluss über den Nutzen des Tiefbrunnens geben.

Parallel dazu bereiten sich Aaron, Moritz und ich auf einen erneuten Trip nach Colombo vor. Dort haben wir weitere Treffen mit Organisationen vereinbart, um über vergleichbare Projekte von ihnen zu sprechen und sie möglicherweise als zusätzlichen Partner für das Projekt zu gewinnen. Außerdem halten wir am Sri Lanka Technological Campus, der Universität Dr. Kosgollas, einen Vortrag über die gemeinnützige Arbeit von EWB.

Währenddessen bleiben Sabrina, Manyl, Annika und Sebastian in Padiyathalawa und treiben die Arbeit auf der Baustelle weiter voran. Unter anderem steht die Installation einer abgehängten Decke im Mehrzweckgebäude an. Außerdem wird sämtliches Baumaterial und Werkzeug, das vor Ort vorhanden ist, in einer Inventurliste zusammengefasst.

Am Ende der dritten Woche kommen wir wieder von unserer Expedition in Colombo zurück, was in einer Besprechung bis tief in die Nacht mündet. Am nächsten Tag müssen wir dann leider schon den ersten Verlust im Team beklagen: Manyl fliegt nach Deutschland zurück. Immerhin gibt es einige kulinarische Highlights. Mit einer großen Portion selbstgemachten Bratkartoffeln trösten wir uns über den Verlust von Manyl hinweg.

Zwei wichtige Termine hat die letzte Woche auch noch auf Lager. Wir bekommen Besuch von potentiellen Partnerorganisationen auf der Baustelle. Mit ihnen führten wir während unserer Zeit in Colombo vielversprechende Gespräche über eine potentielle Zusammenarbeit. Nun wollen wir ihnen vor Ort unsere bisherige Arbeit zeigen und neue Erkenntnisse der letzten Wochen besprechen. Beide Organisationen zeigen verstärktes Interesse an einer Zusammenarbeit. Wir legen daher weitere Schritte fest, um die mögliche Partnerschaft auszuloten und wollen weiterhin in regem Kontakt bleiben.

Die letzten paar Tage verlaufen dann etwas ruhiger. Wir fangen an aufzuräumen und bereiten uns auf die Rückkehr nach Deutschland vor. Am Ende gab es dann noch ein größeres Zusammentreffen auf der Baustelle mit den Menschen aus der Umgebung. Dabei sprachen wir mit ihnen ausführlich über die aktuellen Probleme und unser weiteres Vorgehen. Vier intensive Wochen liegen hinter uns, in denen ich als Sri Lanka Neuling Vieles gelernt habe.

Grüße aus Sri Lanka
Ludger aus dem Lankaponics-Team

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