Lankaponics Aquakultur & Hydroponik
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Status

Laufend

Begonnen

Januar 2017

Mitgliederzahl

35

Land

Sri Lanka

Ort

Padiyatalawa

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Status

Laufend

Begonnen

Januar 2017

Mitgliederzahl

35

Land

Sri Lanka

Ort

Padiyatalawa

Von abenteurlichen Autofahrten über selbst gebastelte Videosonden war in den letzten Tagen in Sri Lanka alles dabei. Wir hatten einiges zu tun, sowohl auf der Baustelle, als auch im Dorf.

Beschreibt unsere Situation gerade ganz gut. Dunkle schwarze Nacht. Wie weit kann ich sehen? Zur nächsten Kurve vielleicht? So ganz genau kann man das nicht erkennen. Der Regen fällt so stark, dass neben uns das Wasser in Sturzbächen die Straße runterschießt während wir in unserem kleinen Auto probieren unseren Weg durch das Zentralgebirge Sri Lankas zu bahnen. Die Scheinwerfer von „Voldemort“, wie wir unseren Suzuki Wagon R wegen seiner fehlenden Schnauze genannt haben, helfen nicht wirklich. Sie beleuchten eine graue Wand, die hin und wieder von den Scheinwerfern entgegenkommender Busse und Tuk-Tuks durchstoßen wird.

Eine gefühlte Ewigkeit ist es her, dass das Auto an einer Tankstelle nicht mehr starten wollte. Klassiker. Da kein Lämpchen aufglühte und es auch sonst kein Lebenszeichen gab dachten wir es läge vielleicht an der Batterie. Das Ganze sollte also schnell zu lösen sein. Kabel dran, kleiner Jumpstart, und weiter. Allerdings kommt uns dann erstmal eine elementare Frage in den Kopf: Wo ist die Batterie? Der Motor ist unter dem Fahrersitz, soviel konnten wir während der Fahrt anhand von Temperatur und Geräuschpegel schon feststellen. Die Batterie ist jedoch nicht so leicht ausfindig zu machen. Es dauert locker 45 Minuten bis wir sie in einer Bodenklappe, eingewickelt in 2 Teppichlagen entdecken. Nach kurzer Untersuchung stellen wir fest, dass nur ein Kabel locker ist und wir das Problem schnell beheben können. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: Es bleibt nicht das einzige Problem mit unsrem Voldemort!

Am Abend kommen wir durch unseren kleinen Batterievorfall erst sehr spät in Padiyathalawa an, doch die Freude ist groß, als wir den Rest des Teams sehen, der schon vor einigen Tagen vorgereist ist. Wir bringen uns kurz auf den neusten Stand, tauschen ein paar Stories der letzten Tage miteinander und fallen dann müde ins Bett. Licht aus und Augen zu.

Neuer Tag und auf zur Baustelle. 3 Jahre bin ich jetzt dabei, ohne in Sri Lanka gewesen zu sein und heute ist der Tag, an dem ich endlich die Umsetzung zu sehen bekomme. Ich kenne die Daten: Greenhouse: 21m lang, 18m breit, 6m hoch. Aquashed linksbündig dahinter. 4 Fischtanks mit 6m³ Volumen und 8 Reihen Growbeds. Aber wie es wohl wirkt? Kurz darauf fahren wir um eine leichte Linkskurve und Sebastian meint vom Fahrersitz: „Ach Außerdem, hier links seht ihr den Brunnen!“. Ich schaue nach links und sehe: Nichts. Grün. Weit und breit kein Brunnen zu sehen. Ich starre auf Urwald. Büsche, Bäume, Gras. Ein undurchdringbares Dickicht. In dem einen Jahr seit der letzten Bauphase hat sich die Natur zurückgeholt, was ihr gehört. Und die Natur wächst hier schnell. 50m weiter biegen wir auf unsere Baustelle ein und vor mir tut sich das Ergebnis unserer Arbeit auf. Von der Straße aus kaum zu erkennen steht unser Greenhouse, eindrucksvoll eingebettet in einen Hang. Ich steige aus und zusammen mit Moritz und Sabrina gehe ich darauf zu. Die beiden sind wie ich, zum ersten Mal in Sri Lanka auf der Baustelle. „Ihr seid ja süß!“ ruft uns Sebastian zu und dann muss ich ganz plötzlich schmunzeln. Ich bin überwältigt und stolz. Stolz Teil eines Teams zu sein, welches wirklich etwas bewegen will.

In den folgenden Tagen gibt es viel Organisatorisches zu klären. An unserem Haus muss einiges erledigt werden und so kommt es, dass wir Rohre verkleben, Holzbalken sägen und eine Außendusche zimmern. Um uns ein wenig unter die Arme zu greifen, kochen unsere Nachbarn freundlicherweise für uns mit. Wir bekommen die verschiedensten Arten von Curry und Reis zu probieren und selbstgemachtes Pappadambrot mit dazu. Und so vergehen ein paar Tage mit Telefonaten, E-Mails und Hausarbeit. Doch die Recherche und Organisationsarbeit, welche noch vor ein paar Tagen in Colombo so einfach erschien, ist hier eine Qual. Unser Haus liegt etwa eine Viertelstunde Fahrt von Padiyathalawa entfernt. Aber das reicht, um uns kommunikationstechnisch komplett zu isolieren. Und eher erleben wir einen Tag ohne Regen als das man hier zuverlässig Mobile Daten findet. Was nicht heißen soll, dass wir hier gar keinen Empfang haben. Nur das der Internetempfang Heisenbergs Unschärferelation zu gehorchen scheint. Wann man Internet hat? Theoretisch immer. Wo? Das ist die große Frage. Abends, wenn der Arbeitstag vorbei ist sieht man immer wieder die Kegel der Telefonlampen vor unserem Haus und entlang der Straße schwanken. Dann ist wieder klar: Da probiert gerade jemand Fotos oder Sprachnachrichten an Freunde und Verwandte zu schicken.

Am nächsten Tag gehen Moritz, Sebastian und ich auf die Baustelle. Es gab in Deutschland schon Unklarheiten wie die genaue Konstruktion des Brunnens verlaufen ist. Jetzt da wir vor Ort sind, können wir endlich Licht ins Dunkel bringen. Also haben wir uns entschieden eine Videosonde in den Brunnen zu lassen und Innenaufnahmen zu machen. Problem: Keiner von uns besitzt eine Videosonde. Also habe ich eine GoPro aus Deutschland mitgebracht, welche wir in den Brunnen lassen wollen. Laut Plan wollen wir eine Taschenlampe oberhalb der Kamera an einem Seil befestigen. Da wir kein Seil haben muss das Maßband herhalten. Ganz nebenbei hat das noch den Vorteil, dass wir die Tiefe unseres Brunnens messen können. Und dann geht es ans bauen. Wir befestigen die Kamera am Ende des Maßbandes und wollen die Lampe ein wenig darüber anbringen, aber schon tauchen Probleme auf. Problem 1: Da unsere Taschenlampe nicht wasserdicht ist, müssen wir sie in Moritz Wasserflasche einbauen. Problem 2: Die Flasche ist zu leicht und musss daher mit Steinen befüllt werden. Problem 3: In großer Tiefe ist die Trinkflasche nicht mehr dicht und Wasser steht in der Falsche als wir sie wieder herausziehen. Doch scheinbar bekommt man für 1,60€ im Supermarkt von Padiyathalawa die weltbeste Taschenlampe, denn sie leuchtet tapfer weiter. Zwar kann man sie nicht mehr bedienen, aber ihren Zweck erfüllt sie noch. Nach einigen Stunden testen und verändern funktioniert endlich alles. Wir können das Konstrukt in den Brunnen lassen und die Tiefe bestimmen. Soweit also schon mal ein Erfolg.

Weiterhin treffen wir uns mit alten Kontakten wie Madduh, einem Studenten, zu dem die letzte Gruppe Kontakt aufgebaut hat, und Vertretern von NGO’s. Ich treffe mich ein erstes Mal mit dem Chef einer Brunnenfirma. Wir hoffen, dass die Firma unseren Brunnen tiefer bohren wird und uns somit Wasser beschafft.
Auch auf der Baustelle hat sich die Natur breit gemacht. Sie wuchert um uns im Greenhouse. Bäume, die zu nah am Greenhouse wachsen, belasten und verstopfen unsere Regenrinnen. Gemeinsam mit Helfern aus Padiyathalawa, die mit großen Sicheln und Macheten anrücken, drängen wir den Urwald wieder zurück. Wir bearbeiten Aufgaben, die wir uns in Deutschland überlegt haben und erstellen neue. Einige Notwendigkeiten haben sich erst im Laufe unseres Aufenthaltes ergeben und müssen jetzt von hier aus vorbereitet werden. Wir setzen uns hin und erarbeiten Pläne für einen Seasonal Calendar und eine Mental Map. Hierbei handelt es sich um Verfahren, um den Lebenszyklus der Dorfbewohner besser zu verstehen. Wir wollen erfahren, was ihnen wichtig ist, womit sie sich beschäftigen und wo sie Ihre Probleme haben. Als Janaka am Freitagabend wieder zu uns stößt (unter der Woche muss er in Colombo an der Uni arbeiten) besprechen wir die finalen Details dazu und beladen das Auto mit Stiften und Whiteboards. Am nächsten Morgen geht es früh los, um uns mit den Dorfbewohnern zu treffen. Tagsüber haben sie wenig Zeit, weil sie auf ihren Feldern arbeiten.

Soweit verläuft unser Aufenthalt gut, die erste Woche auf der Baustelle war nicht unbedingt geprägt von harter Arbeit, aber sie war nervenaufreibend und mental anstrengend. Wir sind gespannt, wie es in der zweiten Hälfte unserer Erkundungsreise weitergehen wird.

Euer Lankaponics-Team!

 

 

 

 

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